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Dirty Dancing
Hamburg - 01.04.2006 - 20 Uhr
Von Steffi Geischer - www.steffi.geischer.de
Ich fange beim Bericht zu meinem ersten Besuch bei Dirty Dancing einfach mal mit den Eindrücken zu den Darstellern des Abends an.
Johnny Castle: Martin van Bentem
Martin ist ein guter Tänzer, was man hier natürlich wieder gesehen hat. Ist am Anfang einmal leicht weggerutscht, was aber nicht weiter auffiel. Allerdings bin ich nicht sonderlich überzeugt von ihm in dieser Rolle - gutes Tanzen hin oder her. Er hat mir vom Schauspiel her überhaupt nicht gefallen. Die Texte wirkten sehr auswendig gelernt und er hat sich doch auffällig oft versprochen. Außerdem hat er seinen Text leider sehr monoton gesprochen - irgendwie alles in einer Tonlage. Es kam mir teilweise so vor, als wüsste er gar nicht was die einzelnen Sätze bedeuten.
Gesamteindruck daher leider nicht sehr positiv.
Baby Houseman: Tanja Schön
Damit hatte ich ja ehrlich gesagt gar nicht gerechnet - gleich ein Cover in der weiblichen Hauptrolle.
Tanja hat mir gut gefallen in der Rolle. Sie hat Baby sehr quirlig und "jung" (wenn man das so ausdrücken kann) gespielt und das hat super gepasst. Ich finde die Rolle an sich etwas undankbar - eine 17-jährige Möchtegern-Weltverbesserin, die gleichzeitig Papis Liebling ist. Irgendwie ist der Charakter an sich nicht besonders vielschichtig.
Aber Tanja hat meiner Meinung nach das Beste aus der Rolle herausgeholt.
Penny: Rachel Marshall
Auf sie war ich sehr gespannt und ich wurde nicht enttäuscht. Einfach perfekt für die Rolle der Penny. Rachel ist eine tolle Tänzerin und hat die Rolle glaubhaft verkörpert. Und schön, dass sie zumindest am Anfang ein paar Zeilen zu singen hat - nicht viel, aber besser als gar nichts. :)
Hat mir sehr gut gefallen!!
Marjorie Houseman: Masha Karell
Die Rolle der Mutter gefällt mir in der Show an sich leider gar nicht. Ist irgendwie doch sehr unterschiedlich zum Film und das nicht im positiven Sinne. Die Mutter erscheint einem hier teilweise eher so, dass sie sich gegen ihre Tochter Baby stellt. Der Charakter wird dadurch (vielleicht auch eher unbeabsichtigt) unsympathisch. Gegenüber einigen anderen Rollen geht der Charakter allerdings sowieso eher unter.
Aber Masha Karell hat ihre Sache durchaus gut gemacht - für die allgemeine Art der Rolle kann sie ja nichts. ;)
Jake Houseman: Martin Tommy Haberger
Zum größten Teil gut gespielt, allerdings wirkte er mir teilweise etwas aufgesetzt bzw. zu überspielt. Da wurden die Familienprobleme dann ab und an doch etwas über-dramatisch dargestellt.
Lisa Houseman: Franziska Lessing
Der Song der Schwester für die Abschlussveranstaltung war eins meiner Highlights der Show. Das Lied wurde doch recht lang ausgespielt und von Franziska Lessing super rübergebracht. Der Text des Songs ist ins deutsche übersetzt: ?Und ich wackel wie ein Dackel und ich hula mich um den Verstand". Insgesamt fand ich Franziska sehr gut in ihrer Rolle!
Robbie: Dominik Schulz
Schön hochnäsig und arrogant! Hat mir gut gefallen und ich würde ihn gern mal als Johnny sehen!
Billy: Ralf Schaedler
Der Herrscher der Wassermelonen. War schön Ralf mal wieder auf der Bühne zu sehen, wenn auch in einer recht kleinen Rolle. Beim Schauspiel hat Ralf meiner Meinung nach immer ein tolles komisches Potential, was er hier wieder super gezeigt hat.
Von ihr hatte ich vorher noch nichts gehört und sie war die "Neuentdeckung" des Abends für mich. Eine echte Power-Stimme! Auch wenn sie mich als Elphaba bei "Defying Gravity" nicht überzeugen konnte - gerade das Ende des Songs war dann doch eine Nummer zu groß für sie. Dagegen hat sie mir bei "As long as you're mine" im Duet mit Felix sehr gut gefallen. Und auch bei "Suddenly Seymour" hat sie absolut überzeugt (wieder im Duet mit Felix).
Insgesamt ein wirklich prima Auftritt von ihr - gerne wieder! :)
Max Kellerman: Robert Lenkey
Hat prima in die Rolle gepasst. Wobei ich mich die ganze Zeit frage, ob im Film Max Kellerman nicht der Onkel von Neil Kellerman ist. Denn hier war es der Opa....
Neil Kellerman: Jörg Neubauer
War leider sehr farblos auf der Bühne. Die Rolle kam gar nicht richtig zur Geltung, wobei ich der Meinung bin, dass man da mehr draus machen könnte. Schade!
Stan: Marck Meyer-Stevens
Wer ist eigentlich Stan? Das hab ich mich vor der Show gefragt. Und dann war's bald klar: Der lustige Ansager im Hotel (der die verschiedenen Spiele etc. ankündigt). Hat mir gut gefallen.
Vivian Pressman: Kerstin-Maria Mäkelburg
Die Rolle ging leider auch total unter, was ich schade finde, da Kerstin-Maria Mäkelburg durchaus prima gespielt hat
Moe Pressman: Nikolas Gerdell
Und noch eine Rolle, die kaum auffiel. An sich schon gut gespielt, allerdings fand ich dieses seltsame "Piratenlied" mehr als überflüssig - wie auch so viele der anderen zusätzlichen Szenen.
Mrs Schumacher: Ursula Siebert
Passt hervorragend in die Rolle und hat auch prima gespielt.
Mr Schumacher
Auch er hat mir gut gefallen - seine kleine Solo-Gesangsnummer war sehr schön!
Gesangssolisten
Sabrina Weckerlin
Sehr schöne Stimme, das muss ich ganz klar sagen. Hat mir aber von der sonstigen Performance nicht so gut gefallen - wirkte irgendwie etwas ... unkontrolliert (schwer zu beschreiben).
Lemuel Pitts
Hat das Lied bei Johnnys und Babys Auftritt im Hotel Sheldon gesungen. Prima Leistung!
Marc Seitz
Was soll ich sagen außer: Toll!! Absolut super Leistung bei "In the still of the night" (ich hab keinen Patzer gehört - den hat er sich wahrscheinlich nur eingebildet). Im Ensemble war es immer extrem unterhaltsam im zuzuschauen - ständig in Bewegung! ;) Und als Charlie Chaplin doch sehr lustig anzusehen. Außerdem auch noch ein sehr schönes Mini-Solo bei "We shall overcome".
Evren Pekgelegen
Hab zugegebenermaßen nicht sonderlich viel auf ihn geachtet. Aber was ich so gesehen habe, hat mir gefallen.
Ensemble
Im Ensemble sind mir außer Marc ehrlich gesagt die Leute nicht sonderlich aufgefallen. Ich weiß auch nicht mehr genau, wer alles gespielt hat - obwohl ich vor der Show auf die Castliste geschaut habe....
Zur Show an sich
Also, ich habe versucht offen in dieses Stück zu gehen und mir selbst ein Bild davon zu machen. Und mein Fazit ist: Es geht so....
Es gibt durchaus Sachen, die mir sehr gut gefallen haben. Zum einen ist die Musik einfach toll - ich liebe die Songs aus Dirty Dancing und auch die zusätzlichen Stücke sind schön (außer dieses "Piratenlied"). Dann wird wirklich gut getanzt, was mir auch gefallen hat.
Das Bühnenbild fand ich nicht so leer, wie ich es aufgrund der TV-Ausschnitte befürchtet hatte. Der Einsatz der Leinwand hinten auf der Bühne und zum Teil auch seitlich im Saal funktioniert wirklich gut. Gerade die Darstellung des Flusses, wenn Baby und Johnny auf den Baumstamm tanzen hat mir extrem gut gefallen. Da fand ich nur die winzige Sequenz, in der man Johnny wegfahren sieht etwas seltsam (man sieht quasi den schwarzen Wagen von hinten, dieser fährt dann die Straße runter und weg, während Baby in der Mitte der Bühne steht und dem "Leinwand-Wagen" hinterher schaut). Diese Filmsequenz sah ein bisschen nach Phantasialand aus - irgendwie unecht.
Die Darstellung der Szene im Wasser ist gut gelöst mit Nebel und der hoch und runter fahrbaren Bühne
Ganz, ganz schlimm finde ich die extrem schnell und hektischen Szenenwechsel. Die Show soll so sein wie der Film - schön und gut - aber es funktioniert einfach nicht, die Schnitte genau wie im Film zu setzen. Da gab es Szenen, die keine 2 Sätze lang waren. Das nervt nach einer Zeit doch ziemlich und man bekommt automatisch den Eindruck, dass alles sehr gehetzt ist (auch wenn es eigentlich gar nicht so ist).
Enttäuscht war ich von "Time of my life" - da fehlte mir allgemein die Emotion. Das danach folgende Finale hatte mehr Schwung als dieser doch berühmteste Song des Films. Und dann die Szene am Ende von "Time of my life" - Johnny und Baby werden mit einem Teil der Bühnenkonstruktion hochgefahren und geben einen doch sehr übertriebenen Dialog von sich (so im Sinne von "Es werden alle gegen uns sein - was sollen wir dann tun?" - "Dann werden wir noch mehr kämpfen"). Das war überflüssig und kitschig.
Auch nicht gut fand ich die Aufteilung der Story in die 2 Akte. Der erste Akt war extrem voll beladen und endete mit der Szene, in der Baby und Johnny zum ersten Mal zusammen im Bett landen. Im 2. Akt ist dann im Grunde kaum noch was passiert - die geheime Beziehung wird von Vivian Pressman entdeckt, sie schwärzt Johnny als angeblichen Dieb an, Johnny wird gefeuert, Baby setzt sich für ihn ein und hat daher Stress mit ihren Eltern, Johnny kommt zurück, Finale, Ende.
Und das ganze dann auf mindestens eine Stunde ausgeweitet. Vielleicht hätte man die Aufteilung da etwas anders machen können und sich dafür ein paar der zusätzlichen Szenen sparen können. Die kommen nämlich hauptsächlich im 2. Akt vor und sind eigentlich recht sinnlos. Teilweise stehen sie meiner Meinung nach auch im Widerspruch zur bekannten Story. Wenn die Mutter z.B. in einer neuen Szene ihrer Tochter auf einmal Vorwürfe macht wegen dem "Ärger" den Baby der Familie gemacht hat - das passt doch nicht zur sonstigen Einstellung der Mutter (in die sie am Ende wieder komplett zurückfällt).
Ich sage also: Eine Show, die teilweise unterhaltsam ist, die aber meiner Meinung nach nicht diesem übermäßigem Hype gerecht wird und die leider oft hinter den Erwartungen zurückbleibt.
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