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Showbericht Wicked - Die Hexen von Oz
Palladium-Theater in Stuttgart am 16.02.2008 um 19.30Uhr
Von Conny Schmidmeier
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126 Euro für eine Samstagabendvorstellung. Ob sich das wirklich lohnt, für ein Musical mit einer eher traditionellen Handlung? Zwei Frauen, die sich völlig unterscheiden, mit der Zeit jedoch beste Freunde werden, um einen Mann kämpfen und die Welt auf ihre Weise prägen und verbessern wollen. Eine Geschichte um Liebe, Freundschaft, Wahrheit und Lüge. Eben "Wicked", dem Musical von Stephen Schwartz.
Man betritt das Palladium- Theater und entdeckt eine Bühne, prunkvoll geschmückt. Eine Drache ziert die Oberfläche und das Vorgang zeigt eine Landkarte des Landes Oz - im Mittelpunkt, seine Hauptstadt Smaragdstadt. Nett anzusehen ist das Ganze. Die Seiten sind voll mit astähnlichen Verziehrungen. Unheimlich soll es wirken, auf den ersten Blick erinnert es an Tanz der Vampire. In den Ästen entdeckt man einige Tontechniker.
Vor Beginn ertönt ein lauter heller Schrei hinter der Bühne. Was hat das zu bedeuten? Gehört das schon zur Geschichte? Verwirrte Gesichter. Doch anscheinend ein Zufall. Kein Mord. Kein zusammengeklappte Sängerin. Nichts.
Und als das Licht ausgeht, hat man es auch schon wieder vergessen. "Keiner weint um Hexen", ertönt das Ensemble. Hier schon merkt man die Stärken und Schwächen des Casts. Das sie tanzen können, kann niemand anzweifeln. Schön aussehen - können sie auch. Doch mit dem Singen, das müssen sie noch üben, denn sollte man annehmen, sie hätten die richtige Art des Betonens gelernt, wird man eines Besseren belehrt. Schwarze Schafe unter dem Ensemble prononcieren immer wieder gerne das S überdeutlich. Und dann kommt Galinda - eine rosa Barbie. Papis Lieblings, eine , die immer genau das bekommt was sie will. Sie könnte direkt aus "Natürlich blond" entsprungen sein. Und genau so singt sie. Hoch, nervig, zickig - kein Ohrenschmaus. Lucy Scherer geht in ihrer Rolle als Galinda förmlich auf. Ihre schauspielerischen Leistungen sind grandios. Sie überzeugt mit ihrer Mimik und Gestik, bringt das Publikum durch ihre Dialoge immer wieder zum schmunzeln und auch mit ihrer Sopranstimme lebt und singt sie Galinda. Ihre hohe Gesangskunst kann Kopfschmerzen verursachen, doch ist durchaus Respekt für ihre Kraft in ihrer Stimme nötig. Doch neben Willemijn Verkaik, die grüne Elphaba, kann sie einpacken. Verkaik, die schon in Produktionen, wie "We will rock you" oder "Elisabeth" mitwirkte, ist der Star des Abends. So eine Ausdauer und Kraft in einer Stimme ist selten. Mit ihrem Mezzosopran bringt sie den randvollen Raum zum schweigen und staunen. Sie sticht hervor und ist der Grund, warum man sich auch nach Wochen an das musikalisch eher unspektakuläre Musical (Hast du Interesse an Wicked Musicaltickets?) noch erinnern kann. In "Tanz durch die Welt" - dem einzigen hitverdächtigen Song des Musicals, tritt Fiyero alias Mark Seibert in das Leben der zwei Hexen. Mark Seibert, ist wohl das, was man als typischen Sunnyboy bezeichnen würde. Lebensfroh marschiert er über die Bühne, singt sich als Tenor in die Herzen des Publikums und sieht dazu noch unverschämt gut aus. Frauen, kommen wirklich auf ihre Kosten. Der zweite Mann der Runde Stefan Stara, der den Moq spielt, geht leider etwas verloren. Durch sein schusseliges Auftreten und sein Narrenoutfit neigt man dazu, ihn eher als Randfigur zu sehen. Doch mit seiner Leistung kann Stara mit den andren drei durchaus mithalten. Auch nicht zu vernachlässigen ist Nessarosa, die kleine im rollstuhlsitzende Schwester von Elphaba, gespielt von Nicole Radeschnig. Ihre Stimme wirkt zerbrechlich, sanft und leise. Sie wirkt wie ein kleines junges Mädchen, das verschüchtert das erste Mal auf der Bühne steht. Man möchte sie am liebsten stützen, ihr etwas zu essen geben, denn man hat Angst sie würde gleich zusammenbrechen.
Alles in allem hat das Musical mich trotzdem begeistert. Es ist nicht das typische Musical, das mit seinen Texten, seiner Komposition und seiner Musik begeistert, es fasziniert vor allem durch seine spritzigen Dialoge. Es ist wie eine Komödie, ein gelungenes Theaterstück mit der ein oder anderen musikalischen Begleitung. Musikalisch gesehen ist es eher unspektakulär, doch visuell gesehen ist es das, was schon lange gefehlt hat. Das Zusammenspiel der Schauspieler, dem Bühnenbild, den Kostümen, den Licht- und Toneffekten ist einmalig.
126 Euro sind nach wie vor nicht billig, doch für für dieses Musical lohnt es sich. Denn "ich glaube ich bin zum ersten Mal wicked"
Bilder: Copyright: Stage Entertainment
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