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3 Musketiere
Sehr ausführlicher Showbericht vom Musical 3 Musketiere in Stuttgart
Von Diana
1. Akt
Da ich mittlerweile schon wieder zwei Shows in Stuttgart besucht habe, denke ich, dass es an der Zeit ist, Bericht zu erstatten.
Zum einen hatte ich das Glück am 09.11.2006 bei einer der Previews anwesend sein zu dürfen. Zum anderen war ich anlässlich des Geburtstags meiner Mum gemeinsam mit ihr in der Show am 19.11.2006. Zugegeben, die Tickets dafür habe ich nicht ganz uneigennützig gekauft. Aber zurück zum Thema.
Ich war anfangs erstaunt, wie groß die Bühne des Apollo-Theaters im Gegensatz zu der im Theater des Westens ist.
Die Show beginnt, wie gewohnt, mit dem Prolog vom Conferencier, der im Übrigen einen neuen Stock hat. Sieht aus wie eine riesige Zuckerstange (rot-weiß gestreift). Stefan Poslovski glänzt aus meiner Sicht nicht unbedingt in dieser Rolle. Mir fehlt die verspielte Mimik und Gestik von Oli. Textlich wurde am Prolog ansonsten nichts verändert.
Als sich am 09.11.2006 dann anschließend der Vorhang für "Heut´ ist der Tag" hob, war ich mehr als positiv überrascht, nicht Thomas Hohler auf der Bühne zu sehen. Stattdessen sang, spielte und kämpfte ein mir bis dato unbekannter, mehr als gut aussehender, junger Mann namens Rasmus Borkowski. Er stellt die Entwicklungsphasen vom naiven zum gereiften, erwachsenen D'Artagnan brillant dar. Auch seine kräftige Stimme und das Schauspiel überzeugen voll und ganz. D'Artagnans Abschied von seinen Eltern ist m. E. genauso unverändert geblieben, wie die Rückkehr von Milady.
Ich hatte bisher leider noch nie die Gelegenheit Pia auf der Bühne zu bewundern. Aber ich wurde nicht enttäuscht. Ihre Darstellung er femme fatale ist wundervoll und unvergleichlich. Nicht ganz überzeugte mich hingegen Paul Stampehl als Rochefort. Wobei ich in diesem Fall vermutlich immer noch Cusch fest in meinem Kopf verankert habe.
Die erste kleine Änderung fiel mir beim Dialog Milady / Rochefort in der Szene vor dem Wirtshaus auf. Rochefort fragt Milady nicht mehr, wie die Reise war. Demnach bemerkt sie wiederum nicht, dass ihr die Überfahrt über den Ärmelkanal noch in den Knochen steckt und bedauert somit auch nicht, "...dass man keinen Tunnel drunter graben kann.". Erstmals wird nun auch der komplette Inhalt des Briefes von D'Artagnans Vater an Monsieur de Treville von Rochefort wiedergegeben.
Die darauf folgende Szene "Paris" wurde ebenfalls in Nuancen angepasst. So trägt Constance ihren Korb nun nicht mehr selbst. Sie befindet sich in Begleitung eines Herren, der sie beim Dialog mit D'Artagnan auch zum Weitergehen drängt. Dennoch hält sie diese Aufforderung nicht davon ab, ein wenig länger mit D'Artagnan zu plaudern. Dieser sieht sich nämlich veranlasst Constance zu fragen, ob sie eine Prinzessin sei. Sichtlich gerührt bleibt sie stehen, während es rechts daneben einiger Überzeugungsarbeit seitens des Bettlers bedarf, Pomme de Terre zum Mitgehen zu bewegen. Die erste Begegnung D'Artagnans mit den Musketieren ist identisch mit der aus Berlin. Enrico de Pieri verkörpert den Porthos recht authentisch, auch wenn es ihm etwas an Körpergröße mangelt. Jens Janke bringt für mich nicht unbedingt das Würdevolle an Aramis heraus, wie es Mathias getan hat. Dafür ist seine Darstellung mit reichlich Witz gespickt. Ebenso wie die Rolle von Athos. In Berlin wirkte dieser auf mich immer ein wenig jähzornig und unbeherrscht. Jetzt ist er mit Abstand der Liebenswürdigste von den Dreien. Ein Mann mit harter Schale und weichem Kern. Sehr sympathisch! Am 19.11. gab Alex B. den Porthos. Leider hat er mich mehr als enttäuscht. Zum einen war er alles andere als textsicher. Beispielsweise sagte er statt "...der Bluthund des Kardinals..." - "...der Leibgardist des Kardinals...". Zum anderen erfordert aus meiner Sicht diese Rolle ein gewisses Körpervolumen, was Alex überhaupt nicht erfüllen kann. Demnach kommt er als ewig Hungriger auch gar nicht zur Geltung. Für mich an diesem Abend eine absolute Fehlbesetzung.
Szenenwechsel zu "Oh Herr": Mich persönlich überzeugt die Darstellung des Kardinal Richelieus durch Ethan Freeman vor allem optisch ganz und gar nicht. Stimmlich ist Ethan selbstverständlich eine Koryphäe, was er vor allem bei diesem Song beweist. Der Auftritt des königlichen Ehepaares ist wie immer sehr feierlich und majestätisch. Wobei die neue Perücke der Königin mehr als gewöhnungsbedürftig ist. Aber das liegt sicher im Auge des Betrachters. Noch während Anna sich im Saal befindet, erscheint Rochefort in der Tür. Der Kardinal unterlässt in diesem Zusammenhang den Kommentar, dass "...die Dame sehr viel Einfluss auf ihren Gemahl hat." Somit folgt auch kein weiterer Dialog zwischen ihm und Rochefort.
Die Szene vor dem Karmeliterkloster ist komplett übernommen worden. Auffällig ist nur, dass Athos sich nunmehr erklären will, als D'Artagnan nach seiner Verletzung fragt. Der Kampf zwischen Leibgardisten und Musketieren ist wie immer spektakulär, aber nicht neu.
Das nächste Erwähnenswerte geschieht bei der Szene vor dem Louvre. Wie immer drängt D'Artagnan sich vor, um die Musketiere in seiner verspielt, kindlichen Art vor dem König zu verteidigen. Das Athos von diesem Auftritt wenig begeistert und sichtlich genervt ist, war auch in der Hauptstadt nicht zu übersehen. Aber als er D'Artagnan von Constance wegzerrt und zum Gehen zwingt, macht er nunmehr noch einen kurzen Halt vor dem König, um dort, D'Artagnan nach wie vor fest am Ohr gepackt, eine tiefe Verbeugung zu inszenieren. Ein göttlicher Anblick!
Die darauf folgende Begegnung und der Dialog zwischen Milady und Richelieu bleibt auch in dieser Version unverändert. "Männer" hingegen wurde tänzerisch und instrumental ein wenig verbessert. Milady tanzt nun nicht mehr ausschließlich mit den Herren, sondern auch mehrfach mit den Damen des Ensembles. Zudem ist am Ende des Songs ein rockiger Instrumentalteil hinzugefügt worden. Textlich wurde nichts angepasst.
In der Rue de Vaugirad berichtet Athos wie immer sehr rührend von seinem "Engel aus Kristall". Wobei ich das Stück von ihm irgendwie anders in Erinnerung habe. Er singt es toll, keine Frage: ausdrucksstark und beeindruckend, kraftvoll und ergreifend. Dennoch hatte ich bei beiden Besuchen den Eindruck, nicht die volle Leidenschaft präsentiert zu bekommen. Anders kann ich es nicht erklären und ich weiß auch nicht, woran es liegt. Aber der letzte Ton...der ist immer noch unübertroffen!
Kevin Tarte macht sich in der Rolle des Buckingham ganz gut. Als er auf Anna trifft, spürt man förmlich die Anziehungskraft zwischen den beiden. Ist auf jeden Fall besser gelungen als in Berlin.
Das Trio der drei Frauen ist um einiges gekürzt worden. Anna singt, wie gewohnt, die erste Zeile des Stückes "Die hohe Politik ist kein romantisches Parkett auf dem die Liebe blüht.". Anschließend setzt sofort Milady ein: "Die Liebe....". Weiter konnte ich es mir nicht merken. Dem schließt sich dann die zweite Zeile von Anna an: "Man beugt sich der Notwendigkeit und geht nur aus Vernunft die Ehe ein." Danach habe ich dann komplett den Faden verloren. Aber das Lied hat dadurch keinesfalls Einbußen erlitten. Im Gegenteil. Bei meinem Besuch am 19.11. brach ich in Tränen aus.
Um mich wieder zu beruhigen ist die nächste Szene vor dem Palast wirklich ideal. In dem ganzen Gefechtswirrwarr kommt es doch tatsächlich dazu, dass plötzlich Milady gegen Rochefort kämpft, was dieser auch empört bemängelt.
Als Constance zu Bonasscieur nachhause kehrt, wird sie von diesem nun fast vergewaltigt. Obwohl die Szene dadurch realistischer wirkt, ist der Anblick der entblößten Constance doch ein wenig befremdlich. Aber galant, wie D'Artagnan ist, überlässt er ihr liebevoll seine Jacke. Der Dialog zwischen den beiden ist stark verändert worden. Sie beantwortet nun nicht mehr die Frage "Was erwartet ihr vom Leben?" mit "Alles!". Diesmal fragt D'Artagnan in etwa sowas wie: "Was soll ich euch denn sagen?". Daraufhin beginnt sie dann mit dem Song. Bei der Preview geschah während dieser Szene eine kleine Panne. Ich selbst bemerkte nur, dass von links oben etwas herunter fiel. Aber ich beachtete es nicht weiter, weil ich dachte, es gehöre zu dem auf die Leinwand projizierten Film - womöglich ein vorbei fliegender Vogel. Es war in der Tat ein Vogel. Jedoch kam fälschlicherweise bereits zu diesem Zeitpunkt der Fasan von der Jagdszene runter. Im Nachhinein brachte dieses Malheur natürlich einiges Gelächter hervor und sorgte, zumindest bei mir, für Verwirrung. Zumal für die eigentliche Jagd dann kein Fasan mehr vorhanden war.
Ansonsten ist die Jagd und das Finale erster Akt unverändert geblieben. Obwohl bei der Preview von den Gästen der Jagdgesellschaft nicht mitgeklatscht wurde. Aber am 19.11. haben sie es dann, zu meiner großen Freude, wieder gemacht.
2. Akt
Beim Prolog zweiter Akt steht Rochefort nicht mehr seitlich von der Puppenbühne, sondern positioniert sich mitten auf der Bühne direkt vor das Publikum (sowohl vor das Ensemblepublikum, als auch vor uns Zuschauer). Der Kardinal kommt dann wie gewohnt von der Seite.
Die Überfahrt ist m. E. jetzt imposanter gestaltet. Das Boot bewegt sich mehr als in Berlin. Sonst sind mir keine weiteren Veränderungen aufgefallen.
Bei der Gefängnis-Szene vor La Rochelle wurde auch nichts verändert. Wobei ich an dieser Stelle auch noch einmal bemerken muss, dass mir Christian und Mathias schrecklich fehlen. Keiner schaut dem Hühnerbein so hungrig hinterher wie Christian und niemand stimmt "Einer für alle" so toll a capella an, wie Mathias.
Als Milady den Kriegsschauplatz vor La Rochelle betritt fiel mir sogleich auf, dass sie einen neuen Mantel trägt. Gut, diesen hatte sie auch schon im ersten Akt, bei der Kampfszene vor dem Palast an, aber hier kommt er erst richtig zur Wirkung. Sieht im Übrigen toll aus. Diesmal in dunkelbraun, nicht mehr schwarz! Beim Dialog kommt auch nunmehr sie auf die Idee, D'Artagnans "...Liebchen zu entführen". Sonst war es meines Wissens immer Richelieu. Übrigens gibt es keine Trauben mehr. Weder für den Kardinal (wobei, hat er überhaupt welche gegessen?) noch für Milady. Aber ihr "Träumt sanft!" kommt nach wie vor mit überdeutlichem Zynismus.
Die folgende Szene beeindruckte meine Begleiter am 19.11. am meisten. "Nicht aus Stein" wurde zwar nicht verändert, aber ist für mich selbst auch immer wieder ein Erlebnis. Am 09.11. ist mir sogar ein kleiner Patzer aufgefallen. Tobias Weis war zwar in der Kutte deutlich zu erkennen, aber als dann die Ensemblemitglieder in ihren hautfarbenen Anzügen wiederkehrten, war er plötzlich verschwunden. Erst bei "Pacem" kam er von links angeflitzt und reihte sich ins Ensemble ein. Der geneigte Zuschauer stellte sich nun natürlich die Frage: "Sollte das so sein?" Die Antwort erhielten wir direkt nach der Show an der Stage Door. Tobi hatte nämlich vor seinem Einsatz einfach vergessen, auf die richtige Bühnenseite zu laufen. Er sollte von links kommen, stand aber auf der rechten Seite. Und das alles nur, weil er einem Kollegen noch erklärte, in welche Flucht dieser am besten laufen solle. Aber war ja nicht allzu tragisch. Schließlich ist eine Preview genau dafür nützlich. Dennoch lenkte diese kleine Zwischeneinlage nicht davon ab, dass Ethan beim letzten "Amen" eine neue, ganz eigene Version kreierte. Er setzt nämlich weit nach dem Ensemble ein. Somit wirkt das Ganze bei weitem leider nicht mehr so kraftvoll und überzeugend. Aber ist sicherlich Geschmackssache. Ich jedenfalls finde Marc´s Variante um Längen besser.
Szenenwechsel nach England, in den Palast von Buckingham. Hier steht D'Artagnan bereits zu Beginn völlig durchnässt im Zimmer. James steht neben Buckingham, der an seinem Schreibtisch sitzt und vertieft in den Brief von Königin Anna starrt. Kopfschüttelnd murmelt er "Ich kann das nicht begreifen." Darauf lästert James: "Das bekommen wir jetzt wohl noch öfter zu hören." und beginnt sogleich bis drei zu zählen, woraufhin Buckingham sein "Ich kann es nicht begreifen." wiederholt. Es entbrennt ein kleiner Disput zwischen den beiden. James vergleicht die Sandkastenliebe zwischen Buckingham und Anna mit einem Fisch, der "...am Anfang schillernd doch nicht lange frisch..." sei. Auf mich persönlich wirkt das Ganze eher wie eine Zurechtweisung als ein gut gemeinter Rat. Zumal Buckingham keine wirklichen Gegenargumente hervorbringt.
Anschließend öffnet sich der Vorhang für das Königspaar in der Kirche. Auch hier wurde kaum etwas verändert. Anna erklärt ihrem Mann nunmehr, dass er kein neunjähriges Kind mehr sei der verängstigt auf dem Thron sitzt. Sie verdeutlicht ihm, dass der Kardinal seinen Befehlen zu folgen hat und nicht umgekehrt. Das Solo ist unverändert übernommen worden. Ich selbst war noch nie so gerührt von dieser Szenerie. Nur am 19.11. sah ich in den Augen von Peter Stassen etwas aufblitzen. Und tatsächlich: Kurz darauf kullerten ihm ein paar Tränen die Wangen hinunter. Was auch immer der Auslöser dafür war, es wirkte mehr als authentisch und rührte mich ziemlich. Wirklich herzerweichend!
Constance´s "Gott lächelt uns zu" ist eliminiert und durch eine Reprise von "Alles" ersetzt worden. Die Entführung verläuft ebenso wie in Berlin. Einzig die Leibgardisten erhalten keinen Lohn mehr für ihre "Dienstleistung".
Noch während Milady über Constance und deren Liebe zu D'Artagnan sinnt, erscheint von rechts Richelieu in seinem sexy Glaubt-mir-Lederoutfit. Verschreckt und sichtlich nervös verschwindet Milady rasch von der Bühne und schon befindet sich der Zuschauer mitten im Kriegsgeschehen vor La Rochelle. Ethan wirkt nicht so enthusiastisch, wie es m. E. sein sollte. Vor allem sein Ausruf an das Heer: "Groß ist der allmächtige Gott!" wirkt eher hölzern als anspornend. Nicht unbedingt seine beste Leistung.
Milady befindet sich nun, sichtlich zerzaust, im Herbergszimmer von D'Artagnan in Calais. Nachdem er erfährt, dass Constance entführt wurde, ist Rasmus am 09.11. im Dialog mit Pia ein kleiner Fehler unterlaufen. Normalerweise fragt er: "Was habt ihr mit ihr gemacht?" Rasmus fragte jedoch: "Wo ist sie?" Pia hingegen blieb dem vorgeschriebenen Dialog treu und beantwortete diese Frage mit: "Nichts, noch nichts!" So entstand wahrlich ein seltsames Zwiegespräch. Am 19.11. war aber alles wieder rund. D'Artagnan wird wie gewohnt niedergeschlagen. Doch diesmal erscheint noch während der Anwesenheit von Milady der Wirt der Herberge, um sich über das Gepolter zu beschweren. Er interpretiert die Bewusstlosigkeit von D'Artagnan als Trunkenheit, hievt ihn über seine Schulter und befördert ihn schlussendlich nach draußen. Dort befinden sich bereits die Musketiere, die gerade über die Vorteile einer Mönchskutte philosophieren. Als D'Artagnan erwacht sieht er für einen kurzen Augenblick die Statue der heiligen Maria vor sich und hält sich selbst für tot. Sehr süße Szene! Schnell kehrt er allerdings wieder ins Leben zurück und gemeinsam entführen die Vier wie gewohnt die Kutsche und eilen zur Rettung von Constance nach Luxembourg.
Nachdem Richelieu in der nun folgenden Zwischenszene erkennt, dass die Diamantschatulle leer ist, lächelt er gewohnt süffisant und drückt Milady mit den Worten: "Euer Leiden hier auf Erden soll nur übertroffen werden von Eurem Leiden in der Hölle!" nieder, woraufhin sie laut aufschreit und entsetzt flüchtet. Bei der Preview war der Schrei von Pia so laut, dass man als Zuschauer die letzten Worte von Ethan nicht ganz klar vernehmen konnte. Ist wohl nicht nur mir aufgefallen, denn am 19.11. hielt sie sich diesbezüglich ein wenig mehr zurück.
Die rasante Kutschfahrt ist auch unverändert. Nur in Stuttgart sind die Seitenwände sofort so positioniert, dass die 3D-Illusion entsteht. Wenn ich mich recht erinnere, drehten sich in Berlin erst während der Szene die Wände um. Ist hier demnach also verbessert worden.
Im Karmeliterkloster wartet Constance vergeblich auf ihre Rettung, als eine vermummte Person die Bühne betritt. Anders als in Berlin erkennt man hier nicht auf den ersten Blick, dass es sich um Milady handelt. Sie bringt Brot, einen Krug und einen Becher auf einem Tablett herein. Mit dem Rücken zum Publikum gewandt, bereitet sie etwas am Tisch vor. Der Zuschauer sieht also nicht eindeutig, dass sie Gift in das Getränk mischt. Sie kniet sich neben Constance, die in der Zwischenzeit ihren Monolog über Gottes Güte beendet hat. Constance greift zum Becher, trinkt und bekommt kurz darauf dann Krämpfe. Währenddessen enthüllt Milady ihr Antlitz und sogleich wird wahrscheinlich auch jedem Erstseher klar, dass mit dem Getränk wohl so einiges ganz und gar nicht in Ordnung ist. Der ergreifende Monolog von Milady während des Todeskampfes von Constance wurde zu meiner großen Freude beibehalten. Genauso wie das Wiedersehen von Athos und seinem Engel aus Kristall. Rasmus leidet übrigens sehr herzzerreißend über den Tod von Constance. Am 19.11. sang er sogar mit erstickter Stimme. Ob das nun beabsichtigt war überlasse ich jedem selbst.
Auf dem Turm vom Kloster angekommen beginnt Milady nun mit "Wo ist der Sommer". Pia singt allerdings "Wo blieb der Sommer". War das immer schon so? Auf der CD singt sie "...ist...". Nach dem kurzen Zwischendialog fährt Pia wie gewohnt mit dem Song fort und Marc setzt zusätzlich ein. Wunderschön und zum Niederknien. Was er genau singt konnte ich bei keinem der beiden Male deutlich verstehen, aber das ist auch nicht wirklich wichtig, wie ich finde. Beide treffen sich gesanglich bei der Textpassage: "...nichts ist geschehen..." und beenden dann fest umschlungen das Duett. Super gelungene Erweiterung des Liedes und aus meiner Sicht keinesfalls mehr wegzudenken.
Die Ballszene ist nach wie vor prunkvoll und pompös, jedoch unverändert bis zu der Szene, in der D'Artagnan erscheint. Ich erschreckte bei der Preview extrem, als es direkt über mir plötzlich fürchterlich zu poltern anfing. Daraufhin bricht ein Stück der Decke auf und gibt ein Seil mit dem daran baumelnden D'Artagnan frei. Sehr elegant gelöst, wie ich finde. Gerade in Hinblick auf die fehlende Engelsfigur. Leider wird die Illusion des todesmutigen Stunts ein wenig durch das Sicherungsseil zerstört. Aber die Sicherheit geht selbstredend vor.
Nach der bekannten Kampfszene von D'Artagnan und Rochefort wird unser junger Held nun auch hier zum Musketier geschlagen, bekommt Papas Degen überreicht und nunmehr auch eine blaue Musketierjacke, in die er sogleich hineinschlüpft.
Abschlussszene am Grab von D'Artagnan senior ist analog zu der in Berlin. Natürlich zollen auch hier die Musketiere dem Verstorbenen noch abschließend ihren Respekt und beenden das Stück mit der berühmten Endpose der gekreuzten Degen.
Ja, ich habe es schon wieder getan! Ich war am 07.12. abermals in der Show. Keine Angst, diesmal wird mein Bericht nicht annähernd so "ausführlich" wie beim letzten Besuch. Dennoch gibt es einige erwähnenswerte Sequenzen.
Kurz zur Besetzung an diesem Abend: Außer Ludwig und Rochefort durfte ich die komplette 1st Cast bewundern. Wüsste ich es mittlerweile nicht besser, würde ich glauben, Paul Stampehl ist Erstbesetzung Rochefort.
Martin Schäffner spielte Ludwig XIII. Ein recht hübscher König. Leider vergas er - sehr zu meinem Leidwesen - bei der Jagdszene das "Champagner, wo ist der Champagner?". Aber das nur am Rande.
Beim Prolog stürzte eine "Zuschauerin" des Ensembles ziemlich böse bei dem Versuch von der Seite auf die Bühne zu gelangen. Gut, das ist nun nicht erwähnenswert. Mir ist das nur aufgefallen, weil es quasi genau rechts neben mir passierte.
Ein wenig enttäuscht war ich, weil diesmal Thomas als D´Artagnan auf der Bühne stand. Schon in Berlin hatte er mich in dieser Rolle nicht gänzlich überzeugt. Obwohl er gesanglich voll und ganz die Erwartungen erfüllt, habe ich schauspielerisch und rein optisch einfach ein anderes Bild vor Augen.
Pia stellte die Milady wie immer großartig dar, vor allem im Zusammenspiel mit Ethan und Paul. Die Musketiere harmonierten, aus meiner Sicht, diesmal mehr als bei den anderen Shows.
Da es bei der "Paris-Szene" wieder jede Menge zu sehen gab und ich den Dialog zwischen Constance und D´Artagnan nun schon hinlänglich kannte, erlaubte ich es mir diesmal, ausschließlich auf Marc zu achten
Beispielsweise beobachtete er den Bettler dabei, wie dieser sich an einer Hauswand Erleichterung verschaffte und trat ihm anschließend dafür kräftig in den Hintern. Leider weiß ich nicht genau, ob Marc das immer so spielt. Aber es ist ein köstlicher Anblick.
Wie schon im letzten Bericht erwähnt sind die Auftritte der Musketiere mit reichlich Witz gespickt. Diesmal fiel mir in diesem Zusammenhang Enrico ganz besonders auf. Ich meine, er hat diesbezüglich sein Schauspiel verbessert. Das war bei der Preview noch nicht so.
Vor allem die Szene in der Rue de Vaugirard hinterließ bei mir einen besonderen Eindruck. Athos erzählte die Geschichte des Grafen und seinem Engel wie immer; schien diesmal allerdings reichlich angetrunken zu sein. Jedenfalls ließ seine Aussprache darauf schließen. Sehr auffällig, aber dennoch amüsant. Natürlich wurde "Engel aus Kristall" mit dem nötigen Ernst gesungen! Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass die Interpretation noch steigerungsfähig ist, aber Marc hat mich vom Gegenteil überzeugt.
Diesmal setzte er den letzten Ton verhältnismäßig tief an und steigerte ihn bis zum gewohnten Finale. Es war unübertrefflich und zum Niederknien. Leider hatte ich an der Stage Door, vor lauter Aufregung, versäumt ihm das zu sagen. Im Übrigen kann ich mir jetzt auch die fehlende Leidenschaft der ersten beiden Shows erklären. Ich glaube, dass es am Orchester lag, dass der Engel nicht ganz so kraftvoll erschien wie in Berlin. Der Song wird irgendwie leiser und mit weniger Paukenschlägen gespielt. Ich hoffe, das war nicht nur Einbildung.
Bei Constance feierten die drei Musketiere dann mehr als ausgelassen gemeinsam mit D´Artagnan und den anderen Gästen. Athos wurde einige Male mit Wein überschüttet. Aber das tat seiner guten Laune keinen Abbruch. Ist mir so weder in Berlin, noch in den ersten beiden Shows in Stuttgart aufgefallen.
Sonst war die Show wie immer grandios, aber es gab nichts weiter Spektakuläres. Vielleicht nur noch die Tatsache, dass Milady beim Wiedersehen mit Athos den Giftbecher auf den Boden fallen ließ - für gewöhnlich stellt sie ihn auf dem Tisch ab. Marc sorgte dann aber dafür, dass sich der Becher vor Szenenwechsel wieder ordnungsgemäß dort befand.
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