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"Scaramouche, Scaramouche, will you do the Fandango? "
Scaramouche Charaterisierung
von Corinna Steffens
"Ich halt's hier nicht aus!" - Es sagt schon sehr viel aus, dass dies die ersten Worte sind, die man von Scaramouche während dem Musical hört. Ihre trotzigen Gesten und das rebellische Funkeln in ihren Augen machen eines von der ersten Minute an klar: Dieses Mädchen will raus aus der Ga Ga – Welt. Und als sie dann einer Horde von kreischenden Teen Queens gegenübersteht, könnte der Kontrast nicht deutlicher sein: Auf der einen Seite die jungen, hübschen Mädchen in quietschbunten Kleidern und gestylten Frisuren, auf der anderen Seite eine kleine Rebellin mit wirren lila Haaren und weiter schwarzer Kleidung. Und doch zeigt sich schnell, dass Scaramouche trotz ihrer Außenseiterrolle keine Scheu zeigt, sich den Ga Ga Girls zu widersetzen. Selbstsicher und mit der nötigen Portion Zynismus schmettert sie jegliche Beleidigungen sofort ab.
Im nun folgenden Song offenbart sie dann, was sie sich insgeheim sehnlich wünscht: "Somebody to love". Hier gibt sie viel von ihrem Charakter preis, zeigt ein Stückchen ihrer Welt, die sie sonst sehr verborgen hält. Aus ihren Worten spricht pure Verzweiflung ("Each morning I get up I die a little"), denn in niemandem ihrer Mitmenschen findet sie die Person, die sie so nimmt, wie sie ist. Eine Person, die sie liebt und der sie diese Liebe zurückgeben kann. Zudem wird deutlich, was der Rest der Ga Ga Welt von ihr und ihrem Auftreten hält. Nicht nur durch die Teen Queens, die den Song mit hysterischem Lachen begleiten, sondern auch durch Scaramouches Worte. Offenbar hält sie jeder für verrückt und hat nicht mal den Hauch einer Hoffnung, dass sie "die große Liebe" finden wird. Doch Scaramouche selbst gibt die Hoffnung nie auf. Sie ist unzufrieden mit der Welt, in der sie lebt, aber sie weiß, dass sie eines Tages frei sein wird, um das Leben zu leben, was sie sich erträumt. Und erst recht will sie sich von niemandem nieder machen lassen und gibt vor: "I'm ok, I'm alright".
Ihr Lied endet damit, dass sie von Khashoggi und seinen Wachen festgenommen wird. Noch ahnt sie nicht, dass dieser Vorfall sie letztendlich zu der Person führen wird, nach der sie all die Jahre gesucht hat.
Als sie Galileo dann zum ersten Mal trifft, kann sie sich nicht so richtig auf den seltsamen Kerl einlassen, der da vor ihr sitzt. Kratzbürstig und vor allem sehr ironisch antwortet sie auf seine Fragen. Über sein Stottern macht sie sich lustig, indem sie es kurzerhand nachäfft, und seine ständige Ahnungslosigkeit quittiert sie mit einem: "Weißt du eigentlich irgendwas?" Doch als Galileo dann die Worte "Ich weiß, dass ich anders bin" ausspricht, zeigt sich die erste Parallele zwischen den beiden. Als wäre er ihr Spiegelbild. Fast wirken sie wie zwei Verbündete, als auch Scaramouche zugibt, dass die Ga Ga Girls sie hassen – sie führt dies zurück auf die Tatsache, dass sie keine Pastellfarben trägt. Doch Galileo sieht den Grund; er sieht, dass sie anders ist, genau wie er selbst. Nach und nach wird Scaramouche zutraulicher ihm gegenüber und schließlich fliehen die beiden aus der Klinik, in die man sie verschleppt hatte.
Auf ihrer "Reise" geraten die beiden zwar immer wieder aneinander, jedoch bleibt es meist bei kleineren Streitereien, die durch Scaramouches Kommentare höchst amüsant wirken. Alles, was der leicht trottelige Galileo von sich gibt, weiß sie ins Lächerliche zu ziehen. Wenn er euphorisch von seinem geheimen Traum erzählt, hält sie diesen für "kompletten Schwachsinn" und als Galileo in einen "individuellen Ausdruckstanz" ausbricht, kommentiert sie dies trocken mit: "Ich glaub, ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so was Peinliches gesehen."
Kurze Momente zeigen jedoch, dass sie diese Kratzbürstigkeit als Panzer um sich herum aufbaut, um nicht zu viel von ihren Gefühlen preisgeben zu müssen. Als sie Galileo beispielsweise fast schon schüchtern gesteht, dass sie sich schon immer einen Freund gewünscht hat, macht er ihr freudestrahlend ein "Freundschaftsangebot". Sie jedoch bremst seine Begeisterung sofort wieder, indem sie seine Euphorie nachäfft, überspielt damit aber gleichzeitig auch geschickt, dass sie das Angebot gerne annimmt. Und so willigt sie schließlich ein: "Simmer also Freunde..."
Und aus Freundschaft wird mehr. "Who wants to live forever" ist für Scaramouche ein emotional besonderer Moment. Als Galileo ein Gespräch mit ihr beginnt, scheint sie ihm gegenüber immer offener zu werden und zeigt hier zum ersten Mal auch einer anderen Person ihre sensible Seite. Und hier wird ihr bewusst, wie sehr Galileo ihr Leben veränderte, denn sie realisiert: "Zum ersten Mal in meinem Leben hasse ich mich nicht." Als Galileo ihr schließlich eine Liebeserklärung macht, erwidert sie diese, schafft es jedoch ein weiteres Mal, die Situation mit einem lustigen Spruch zu "entschärfen". Doch in diesem Moment sagen Blicke und Gestern mehr als alle Worte. Und als beide schließlich gemeinsam singen: "And we can have forever, and we can love forever...", strahlen sich die beiden an, wie die zwei glücklichsten Menschen der Welt.
Doch der erste große Streit lässt nicht lange auf sich warten. Denn Galileo ist der Meinung, er solle die Suche nach den verlorenen Instrumenten von nun an alleine fortsetzen. Offensichtlich hat er diese Rechnung aber ohne Scaramouche gemacht. Um nichts in der Welt würde sie an dieser Stelle zurückkehren. Als Galileo ihr dann auch noch entgegnet: "Als ob ich allen Ernstes meine Tussi vorschicken würde...", platzt Scaramouche der Kragen. Sofort erkundigt sie sich, ob ihr neuer Freund eventuell eine "Arschlochpille" eingeschmissen hat und daraufhin folgt auch schon ein ironischer und frecher Spruch nach dem anderen. Und dann werden Galileo die ständigen Nörgeleien von Scaramouche zu viel. Sie gehen im Streit auseinander, gehen zunächst getrennte Wege, kommen jedoch gemeinsam im "Seven Seas of Rhye" an. Noch immer ist die Stimmung gespannt, doch das vergessen die beiden vorübergehend, als sie auf Bap treffen, der sie schließlich zum Wembley Stadion bringt.
Als Galileo dort wie ein kleiner Junge verzweifelt, weil er die verlorenen Instrumente nicht finden kann, ist es Scaramouche, die ihm die nötige Stärke wieder gibt. Ihren Vortrag beginnt sie damit, dass sie Galileo eine "jämmerliche, rückgratlose Heulsuse" nennt und macht ihm schließlich klar, dass er nicht einfach aufgeben kann, wo er doch schon so nah am Ziel ist. Geschickt schafft sie es, nach und nach den "Rockstar" in ihm wieder hervorzuholen und gibt ihm schließlich mit Bap zusammen die Inspiration, die erste Strophe von "We will rock you" anzustimmen. Daraufhin bricht die Felsenwand auf und die Gitarre kommt zum Vorschein. Die Mission ist erfüllt, der Rock'n'Roll ist zurück!
Diese lange und schwierige Reise hätte Galileo mit Sicherheit nicht ohne Scaramouche durch gestanden. Sie hat ihm die nötige Kraft gegeben, ihn aufgebaut und das ein oder andere Mal auch zum Lachen gebracht – obwohl es dann doch meistens sie war, die über ihn lachte.
Scaramouche selbst hat nun endlich erfahren, was Liebe ist und dass auch sie jemandem ihre Gefühle zeigen kann. Bei all ihrer rebellischen und streiterischen Art behielt sie sich ihre Liebenswürdigkeit und wurde von einer Außenseiterin zum Gitarre spielenden Rockstar. Und dieser Artikel sollte auch mit ihren legendären Worten enden: "Geht's jetzt ab, oder was?"
Copyright Bilder: Stage Entertainment
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