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Bonifatius - Das Musical
Gesamtüberblick
von Frederieke Kugelmann
Inhalt:
- Einleitung
- Die Handlung des Musicals
- Die Besetzung
- Der historische Bonifatius
- Fazit
Einleitung
Das Musical Bonifatius wurde anlässlich des 1250. Todestag von Bonifatius am 3. Juni 2004 in Fulda uraufgeführt.
Es entstand durch die Initiative des Produzententeams Dennis Martin (Komposition und Liedtexte), Zeno Diegelmann (Libretto), Peter Scholz (Musikproduktion, Vocal Coach) und Michael Weiß (Produktionsleitung).
Als besondere Auszeichnung wurde dieses Musical zum Musical des Jahres 2005 gewählt.
Die Handlung des Musicals
Bonifatius – Das Musical ist die Geschichte des Missionars Wynfried von Crediton, der im 8. Jahrhundert den christlichen Glauben im heidnischen Germanien verbreiten möchte.
Zu Beginn befindet Bischof Bonifatius sich mit seinem Schüler Sturmius auf der Reise zum fränkischen Hausmeier Karl Martell. Sie bitten den Hausmeier um Unterstützung bei der Missionierung und um einen Ort, von wo aus sie agieren können. Martell überlässt ihnen ein verlassenes Königsgut und stellt seine beiden Söhne Karlmann und Pippin als Schutz an Bonifatius’ Seite.
Am Königsgut machen sie die Bekanntschaft von Alrun und Luidger, welche eine Schänke bewirten, die zum Besitz des Königsgutes gehört. Alrun entwickelt Gefühle für Sturmius und auch dieser fühlt sich bald zu dem hübschen Mädchen hingezogen.
Das harmonische Zusammensein wird jedoch arg unterbrochen. Die Heerscharen des Odin, mordende und brandschatzende Männer unter dem Befehl des friesischen Herzogs Radbod, ziehen an der Schänke vorbei. Sie sind auf dem Weg zu einem heiligen Ort der Heiden, wo sie der Donar-Eiche huldigen wollen.
Bonifatius und sein Geleit folgen den Heiden, um das bevorstehende Ritual zu beobachten. Radbod betet zum Stammesgott Donar und sein Gefolge feiert Donar mit Tanz und Gesang. Durch das beherzte Einschreiten Bonifatius’, zieht dieser den Zorn Radbods auf sich; ein Streitgespräch entfacht. Schließlich, als Höhepunkt des Disputs, greift Bonifatius zu einer Axt und fällt die geweihte Donar-Eiche mit einem einzigen Schlag. Durch den Fall der Eiche und der nicht folgenden Reaktion der Heidengötter darauf, will Bonifatius die Nicht-Existenz der Heidengötter unter Beweis stellen. Ehrfürchtig unterwerfen sich viele Heiden der Macht des Christengottes.
Ferner ist ein weiterer Höhepunkt für Bonifatius, dass seine Cousine Lioba aus England eintrifft, um ihn bei der Missionierungsarbeit zu unterstützen.
Am Fluss Fulda, wo Bonifatius einige Heiden tauft, wird die Zeremonie plötzlich von einer Mutter unterbrochen. Sie klagt die christliche Kirche an, sich am Volk zu bereichern und es zu unterdrücken. Ihre Anschuldigungen richten sich besonders gegen Bischof Gewilip von Mainz, der für den Tod ihres Mannes die Verantwortung trägt, da er immer höhere Steuern verlangt und sich die Menschen zu Tode arbeiten müssen.
Bonifatius ist entsetzt und er erkennt, dass sich die Heiden nicht aufgrund des neuen Glaubens umtaufen lassen, sondern aus Furcht und Bedrohung. Von nun an zweifelt Bonifatius an der Art seiner Missionierung. Er beschließt persönlich nach Mainz zu reisen, um sich ein Bild von der Lage machen zu können.
In Mainz trifft er auf Bischof Gewilip, der sich den weltlichen und luxuriösen Dingen der Welt zugewandt hat und sich nicht um den Glauben und die Kirche sorgt. Bonifatius steht er sehr reserviert gegenüber. In einem Disput droht Bonifatius Gewilip damit, dass sein dekadentes Leben von nun an ein Ende habe und er ihn durch den Papst von seinem Amt absetzten lassen werde.
In der folgenden Nacht betet der von Selbstzweifel erfüllte Bonifatius zu Gott und bittet um die Kraft, seinen Aufgaben gerecht zu werden. Seinem Schüler Sturmius übergibt er zwei Depeschen, die dieser Papst Gregor II überbringen soll. Eine dieser Depeschen erbittet die Absetzung Gewilips und die andere in der Buchonia ein sich selbst verwaltendes Kloster bauen zu dürfen. Auf dem Weg nach Rom wird Sturmius von Karlmann und Pippin begleitet.
Der 2. Akt beginnt mit Sturmius Eintreffen in Rom. Nach einer genauen Schilderung des Anliegens und der Lage, gibt Papst Gregor II den Anwesenden seinen Segen für die Absetzung Gewilips und die Errichtung der Gotteshauses.
Sturmius, Karlmann und Pippin beginnen den Rückweg und im heimatlichen Buchonia findet ein Gespräch zwischen Alrun und Lioba statt. Lioba erklärt Alrun Sturmius Verpflichtungen, welche er durch sein Leben als Mönch eingegangen ist. Am Abend lassen Sturmius und Alsrun ihren Sehnsüchten gedanklich (gesanglich) freien Lauf.
Immer noch auf dem Rückweg, machen Sturmius und die beiden Brüder in Mainz Halt. Sie überreichen Gewilip die Urkunde der Amtsenthebung und die Exkommunikation durch den Papst, woraufhin dieser in Wut gerät und Rache an Bonifatius schwört.
Nachdem die drei nun endlich wieder bei Bonifatius angelangt sind und ihm alles berichtet haben, stellen sie sich ihr zukünftiges Kloster und dessen Wirkung für die Region vor und feiern glücklich.
Unterdessen schmiedet der rachsüchtige Gewilip einen teuflischen Plan und verbündet sich mit seinem früheren Gegner, dem Herzog Radbod. Er will Bonifatius in einen Hinterhalt locken und Radbod soll ihn dann töten. Obwohl Radbod Gewilip für diesen Verrat in seinen eigenen Reihen verabscheut, stimmt er dem Plan zu, damit er sich endlich von dem Missionar befreien kann.
Kurze Zeit später erhält Bonifatius einen päpstlichen Brief, in dem er den Auftrag bekommt, im friesischen Dokkum die Missionsarbeit fortzusetzen. Bonifatius und Luidger machen sich sofort auf den Weg und Sturmius soll so lange den Bau des neuen Klosters überwachen. Folgend erhält Sturmius erneut einen päpstlichen Brief, worin der Papst bittet, sich von Bonifatius persönlich die Zustände in Mainz und des Klosterbaus in Fulda erläutern zu lassen, doch Bonifatius ist schon fort. Sturmius wird klar, dass ein Täuschung vorliegt und schnell vermutet und enttarnt er Gewilip als den Hintermann des Betruges. Sofort machen sich Sturmius, seine Gefährten und der Bote, der den Brief brachte, auf den Weg, um Bonifatius noch einzuholen und das Schlimmste zu verhindern.
In der Zwischenzeit haben der Missionar und Luidger ihr Ziel erreicht. Obwohl Bonifatius von einer Todesvision heimgesucht wird, fürchtet er sich nicht, da er auf Gottes Schutz vertraut. Unerwartet tauchen Radbod und seine Mannen auf und ein Kampf beginnt, in dem Luidger getötet wird, da er sich schützend vor Bonifatius stellt. Von Luidgers Tod erschüttert, ist Bonifatius bereit, als Märtyrer zu sterben. Radbod erkennt die Gefahr, seinen christlichen Gegner durch ein eventuelles Martyrium unsterblich zu machen und zögert ihn zu töten. Da er jedoch von seinen eigenen Leuten und Gewilip dazu angetrieben wird, tötet er Bonifatius. Gewilip bleibt alleine bei dem Sterbenden und verhöhnt ihn ihm Angesicht seines eigenen scheinbaren Triumphes.
Sturmius und seine Freunde erreichen zu spät den Ort des Unglückes. Gesandte des Papstes wollen Gewilip wegen Hochverrat verhaften, doch dieser begeht Selbstmord.
Bonifatius liegt sterbend in den Armen seines Schülers Sturmius und trägt diesem auf, sein Lebenswerk fortzusetzen. Trotz ihrer Liebe zu Sturmius bekräftigt auch Alrun diese Bitte, da sie nicht möchte das Luidgers und Bonifatius’ Tod umsonst gewesen sein soll.
Zum Schluss stellt sich Bonifatius noch einmal den Fragen seines Lebens und zieht das Fazit, dass die menschliche Besonderheit darin besteht, an das Gute und an sich selbst glauben zu können.
Als Erzähler dieser spannenden Geschichte fungiert der Mönch Willibald. Er hat die Biographie Bonifatius’ verfasst und hält praktisch die Handlungsfäden des Musicals in der Hand.
Die Besetzung
Rolle - Cast 2004 bei der Uraufführung - Cast 2005
Bonifatius Reinhard Brussmann - Ethan Freeman
Sturmius Arne Stephan - Dave Mandell
Alrun Leah Delos Santos - Leah Delos Santos / Katrin Wiedmann
Radbod Frank Bahrenberg - Karsten Kammeier
Gewilip Stefan Poslovski - Stefan Poslovski / Kaffi Missah
Luidger Ignazio Caporrimo - Ignazio Caporrimo
Karlmann Oliver Grice - Oliver Grice
Pippin Christian Burkhardt - Christian Burkhardt
Willibald Artur Ortens - Artur Ortens / Christian Böhm
Lioba Manuela Floryan - Manuela Floryan
Karl Martell / Papst Frank Lang - Frank Lang
Mutter Kerstin Frank - Simone Kerchner
Kind Laurenz Kohl - Laurenz Kohl / Lenni Caesar
Der historische Bonifatius
Wynfried von Crediton wurde 672/675 in Crediton im Südwesten Englands geboren. Er starb 754 oder 755 bei Dokkum in Friesland. Im Frankenreich zählte er zu den wichtigsten Missionaren und Kirchenreformern.
Seinen kirchlichen Namen Bonifatius erhielt Wynfried 719 durch Papst Gregor II.
Bonifatius wurde in Benediktinerklöstern erzogen und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend. Mit 30 Jahren wurde Wynfried zum Priester geweiht. Bis er mit seiner Missionsarbeit begann, betätigte er sich als Lehrer für Dichtung und Grammatik.
Seine erste Missionierungsreise unternahm er 716 zu den Friesen. Der Friesenherzog Radbod sorgte jedoch für ein scheitern der Mission und Bonifatius kehrte schließlich noch 716 nach Nursling zurück, wo er anschließend zum Abt gewählt wurde.
718 legte er sein Amt als Abt nieder und verließ Engaland für immer. Er begab sich auf eine Pilgerreise nach Rom, wo er von Papst Gregor II den Auftrag erhielt, bei den Heiden die christliche Lehre zu verbreiten. Unter seinem neuen Namen Bonifatius setzte er nun seine Mission bei den Friesen fort. Der Friesenherzog Radbod war inzwischen gestorben.
Während seiner Missionsreise wurde Bonifatius von großem Gefolge begleitet, unter anderem von Kriegern und Handwerkern, mit deren Hilfe er Klöster und Niederlassungen gründete. Auch der fränkische Hausmeier Karl Martell unterstütze Bonifatius, indem er ihn 723 unter seinen Schutz stellte. Martell stütze ihn, da er in dem Christentum eine Möglichkeit sah, sein Reich besser zusammenzuhalten.
Der fränkische Geschichtsschreiber Willibald von Mainz schrieb in seiner „Vita sancti Bonifatii“, also in der Biographie des Bonifatius, über ein besonderes Ereignis: der Fällung der Donar-Eiche durch Bonifatius. Die zahlreichen Anwesenden warteten, so Willibald, auf eine Reaktion des Heidengottes. Da aber nichts geschah, glaubten sie von nun an die Macht des Christengottes.
Historiker glauben, dass Bonifatius mit der Fällung des Baumes kein großes Risiko einging, da die christlichen Franken ihm den Rücken stärkten. Durch die Zerstörung der Eiche zeigt sich nicht nur eine symbolische Überlegenheit der Christengottes, sondern auch Bonifatius’ Streben nach einer Neuordnung.
Durch die Unterstützung des Papstes gelang es Bonifatius von den 738 bis 739 viele verschiedene Bistümer zu gründen und deren Bischöfe zu weihen. 746 erhielt Bonifatius persönlich das Bistum Mainz und wurde zum Missionserzbischof ernannt.
Mit 80 Jahren brach er noch ein letztes Mal zur Missionierung der Friesen auf, wo er 754 oder 755 zusammen mit seinen Begleitern bei Dokkum von heidnischen Friesen erschlagen wurde.
Fazit
Obwohl einige Lieder sehr stark kirchlich ausgerichtet sind, haben sie einen Ohrwurmcharakter und regen zum mitsingen und mitklatschen an. Der Spaß der Songs wird auf den Zuschauer bzw. Zuhörer übertragen. Andere Lieder wiederum regen arg zum nachdenken an und fragen nach dem Sinn des Lebens. Jeder kann für sich persönlich darüber nachsinnen.
Sehr schön ist die Tatsache, dass historisches Wissen über die Zeit der ersten Frankenkönige vermittelt wird. Karl Martell ist der Großvater von Karl dem Großen. Die Musik erleichtert den historischen Hintergrund, obwohl dieser leider nicht immer ganz korrekt ist, da einige Tatsachen zu Gunsten der Handlung und der Dramatik des Musicals verändert wurden.
Ein kleiner Minuspunkt ist, das die andersgläubigen Menschen, die „Heiden“, konstant als negativ dargestellt werden und das Christentum hingegen als durchgängig positiv.
Trotzdem ist es ein sehr schönes Musical und der geringe Bekanntheitsgrad sollte sich unbedingt ändern.
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