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Bonifatius – Musical des Jahres 2005
Ein wirklich verdienter Titel?
von Conny Schmidmeier
Das Bonifatius 2005 als bestes Musical gewählt wurde, hat wohl eher keiner mitbekommen. Und das ein Musical ohne jegliche Liebe, Leidenschaft und Sex auskommen soll, ist auch mehr als verwunderlich und dann noch ein religiöser Hintergrund? Ein Musical über einen der wichtigsten Missionare und Kirchenreformer in Frankreich, der seit der Reformation in Deutschland als „Apostel der Deutschen“ bezeichnet wird? Jesus hatte Maria Magdalena, Elisabeth von Thüringen hatte Ludwig und Bonfitius nur seine Kirche?
Das Musical spielt im Germanien des 8Jahrhunderts. Frankreich, Deutschland oder England, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht. Feste Staatsreligionen – Fehlanzeige. Schulbildung – keine Chance. Doch der Bischof Bonifatius macht sich im Auftrag des Papstes Gregor auf, den christlichen Glauben den Heiden zu vermitteln. Auf seiner Reise macht er viele Bekanntschaften u.a. auch die von Pippin, der später als bekannter Mönch in die Geschichte eingehen wird und in Gefangenschaft lebend ermordet werden wird, weil er der weltlichen Macht zu stark und mächtig wurde. Zudem begleitet ihn der junge Schüler Sturmius, der auf der religiösen „Wallfahrt“ zum ersten Mal Liebe für die Tochter eines Wirtes namens Alrun empfindet. Also doch etwas Liebe in dem Musical. Doch kann so eine „Nebensache“ wirklich Menschen genug in ihren Bann ziehen. In „Tanz der Vampire“ klappte einst diese Nebensache mit Alfred, der zuvor eher als der kleine, unschuldige Assistenten gesehen wurde. Doch Religion gegen Aberglaube? Kirche gegen Vampire ? Was fasziniert die Mehrheit?
Doch in der scheinbaren kleinen heilen Welt in Germanien bricht der Krieg aus. Radbog will alle unter seine Gewalt bringen und scheut keinen Mord und kein Verbrechen um sein Ziel zu erreichen. Als Bonifatius erfährt, dass Radbog und seine Gefolgsleute auf dem Weg zu einem heiligen Ort sind, um dort der heidnischen Donar-Eiche zu huldigen, macht er sich auf den Weg um dem Ritual beizusitzen und sie vielleicht doch noch dem Christentum näher zu bringen. Denn damals galt ein Christ als zivilisiert und Zivilisation bedeutete Frieden. Aber alles kommt ganz anders. Bonifatius unterbricht das Ritual und zieht sich so den Zorn Radbogs zu. Voller Wut zückt Bonifatius eine Axt und fällt die geweihte Eiche. Er will den Heiden so die Nichtexistenz der heidnischen Götter beweisen und so unterwerfen die Heiden sich des „Christengottes“. Ein wahrer Erfolg für Bonifatius und auch als sich seine Cousine Lioba sich seiner anschließt, scheint seine Erfolgsgeschichte nicht enden zu wollen. Doch dass nicht seine ganze Familie hinter ihm steht, muss er bitter erkennen als seine eigene Mutter der christlichen Kirche vorwirft, die Menschen zu unterdrücken und sich an ihnen zu bereichern. Sie beschuldigt den Bischof Gewilip von Mainz ihren Mann ermordert zu haben, da er an Erschöpfung gestorben war, nur um die Kirchensteuer bezahlen zu können. Bonifatius erkennt, dass all die Heiden, die er konvertiert hatte nicht aus tiefen, ehrlichen Glauben zu Christen geworden waren, sondern aus Bewunderung zu ihm oder Angst und Einschüchterung. In ihm steigen Zweifel an seiner Missionsarbeit auf und er beschließt nach Mainz zu reisen ,um sich dort seinem Glauben wieder sicher zu werden. Der dort ansässige Bischof Gewilip beschäftigt sich lieber mit weltlichen Dingen – Frauen, Geld, Alkohol und die Kirche ist für ihn eher uninteressant. Bonifatius fordert seine Absetzung durch den Papst und so macht er sich zusammen mit Pippin und Sturmius auf den beschwerlichen Weg nach Rom. Tatsächlichen können sie eine Absetzung Gewilips erreichen und aus vollem Freudentaumel geben sich Alrun und Sturmius ihrer Leidenschaft – trotz seines Mönchsgelöbnisses – ganz hin. Er gab ein Zölibat und nun brach er es. Ist das nun der Verrat an der christlichen Kirche?
Doch ganz andere Probleme plagen Gewilip. Enttäuscht und wütend über seine Exkommunion, schließt er sich dem Heidenherzog Radbog an und schmiedez einen teuflischen Plan um sich an Bonifatius zu rächen. Und tatsächlichen locken sie Bonifatius in eine Falle, doch er fürchtet den Tod nicht und so wehrt er sich auch nicht als Radbog ihn tödlich verletzt. Zurück bleibt nur der sterbende Missionar und Gewilip, der sich an seinem Triumph aufzugeilen scheint. Doch als Sturmius, sowie Gesandte des Papstes den Ort des Geschehens erreichen, begeht Gewilip Selbstmord, um der Verhaftung zu entgehen. In seinem letzten Atemzug bittet Bonifatius Sturmius um die Fortführung seines Mission und so verzichtet er auf ein glückliches Leben mit Alrun voll Liebe und Leidenschaft und verschreibt sich ganz und gar der Kirche.
Was kann man also von so einem religiösen Musical denken? „Jesus Christ Superstar“ war ein Erfolg, denn es zeigte einen hippen, coolen Jesus, der die Maßen begeistern konnte, aber Bonifatius ist doch etwas zu kirchlich meiner Meinung nach. Es verpönt die weltliche Seite des Leben und ist doch selbst als Musical ein Widerspruch in sich. Die Lieder klingen leider wie Kirchenmusik und auch stimmlich klingen sie nicht viel besser.
Für jeden Priester, Bischof und sonstigen stark gläubigen Katholiken wird es wohl das Musical des Jahres 2005 sein, für alle anderen wohl definitiv nicht.
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