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Scar - einfach nur böse oder mehr?

Charakterisation des Charakters aus dem Musical König der Löwen

von Frederike Kugelmann
Um einen genauen Überblick bzw. eine Analyse über den Charakter Scars gewährleisten zu können, stelle ich die Handlung des Musicals "Der König der Löwen" rund um die Rolle des Bösewichts Scar voran.

Handlung mit Scar:

Zu Beginn, bei der Präsentation Simbas durch dessen Eltern, das Königspaar Mufasa und Sarabi, ist Scar als Einziger nicht anwesend, obwohl er der Bruder Mufasas ist. Durch die Geburt des Prinzen hat er jede restliche Chance auf den Thron verloren.

Einige Zeit später, Simba ist bereits ein aufgeweckter Löwenjunge, erzählt Scar seinem Neffen "ganz aus Versehen" von einem geheimen und gefährlichen Ort, einem Elefantenfriedhof, auf welchen schon die Hyänen, Scars Schergen, lauern, um den Prinzen zu töten. Nur Mufasas beherztes Einschreiten kann den Tod Simbas und dessen Freundin Nalas verhindern.

Wütend über das Versagen der Hyänen, schmiedet Scar neue Pläne, um an die Königsherrschaft zu gelangen. Es verspricht den Hyänen, dass sie nie wieder Hunger leiden würden, wenn sie ihn in seinem Kampf unterstützen ("Seid bereit").

Scar entwickelt eine weitere Intrige, die nun zum Tod des Königs statt des Prinzen führen soll. Unter einem Vorwand lockt er Simba in eine Schlucht und befiehlt ihm, dort auf seinen Vater zu warten. Er selbst verschwindet und gibt den Hyänen ein Zeichen, dass diese eine Herde Gnus in die Schlucht treiben, wodurch sich Simba erneut in Lebensgefahr befindet. Unterdessen berichtet Scar Mufasa von der wilden Herde und dieser eilt sofort heran, um seinen Sohn zu retten. Er schafft es Simba auf einem Felsen abzusetzen, er selbst rettet sich an eine Steilwand. Er versucht die Klippen empor zu klettern, schafft es jedoch nicht ohne Hilfe und bittet schließlich Scar, ihm zu helfen. Dieser verrät ihn jedoch. Scar rammt seine Krallen in Mufasas Pfoten und mit dem Spottspruch "Lang lebe der König" auf den Lippen, stößt er seinen Bruder in den Abgrund, wo Mufasa von der immer noch panischen Gnuherde überrannt wird. Folgend redet er Simba ein, dass dieser die Schuld an dem Tode seines Vaters trägt und rät ihm, das Geweihte Land für immer zu verlassen. Simba flieht und Scar befiehlt den Hyänen, ihn zu töten. Diese können die Aufgabe allerdings nicht erfüllen, da Simba ihnen entkommt. Gegenüber Scar verschweigen sie jedoch, dass der Prinz noch lebt.

Scar krönt sich selbst zum König und vereint die Herrschaft der Löwen mit der der Hyänen.

Mittlerweile sind einige Jahre vergangen und unter Scars Schreckensherrschaft hat eine Dürre das Geweihte Land befallen.

Scar klagt gegenüber Zazu, dass ihn niemand lieb ("Der Wahnsinn von König Scar"). Schließlich kommt er zu dem Schluss, dass er eine Königin benötigt, die ihm Junge schenkt, damit er durch die Weiterführung des Stammbaums Unsterblichkeit erreichen kann. Scars Brautwahl fällt auf die mittlerweile erwachsene Nala, welche jedoch flieht nachdem er ihr seine Heiratspläne offenbart hat.

Es vergeht wieder einige Zeit. Simba ist mittlerweile zum Königsfelsen zurückgekehrt und beobachtet seinen Onkel aus dem Hintergrund. Scar disputiert mit Sarabi, warum die Löwinnen kein Futter mehr heranschaffen. Sarabi erklärt ihm, dass es weder Beute noch Wasser mehr gibt. Um überleben zu können, müsste das Löwenrudel den Königsfelsen verlassen und weiter ziehen. Nach dieser Offenbarung schlägt Scar Sarabi, woraufhin Simba sein Versteck verlässt und seinem Onkel gegenüber tritt.

Nachdem er den anfänglichen Schock, dass Simba noch lebt überwunden hat, verlangt er von diesem, dass er erzählen soll wer für Mufasas Tod verantwortlich ist. Ein Kampf zwischen beiden entsteht und Simba äußert seine Schuld am Tode seines Vaters. Durch das Geständnis geschwächt und ohne rechten Kampfwillen wird Simba von Scar zurückgedrängt. Scar sieht sich bereits als Sieger des Duells und offenbart seinem Neffen, dass er selbst es war, der Mufasa tötete. Durch die Kraft des Zornes kann Simba sich aus seiner unterlegenen Rolle befreien und im Gegenzug Scar arg bedrängen, er zwingt ihn sogar, allen Anwesenden die Wahrheit über den Königstod zu berichten.

Es kommt zu einem finalen Kampf zwischen Scar und Simba, zwischen den Löwinnen und den Hyänen.

Um sich selbst zu retten, beschuldigt Scar die Hyänen, die Verantwortung für alles Geschehende zu tragen, woraufhin Simba ihn nicht tötet, sondern in die Verbannung schickt. Scar willigt scheinbar ein, greift seinen Neffen jedoch noch einmal mit aller Kraft an. Simba stößt ihn in einen Abgrund, in welchem schon die Hyänen lauern und Scar für dessen Verrat töten.

Analyse des Charakters:

Bereits zu Beginn wird deutlich, dass Scar aus der Gemeinschaft des Rudels ausgestoßen ist. Er lebt alleine in einer kargen Höhle und jenseits des Geweihten Landes bei den Hyänen in der trostlosen Ebene. Einsamkeit und Frustration über seinen Zustand als Ausgeschlossenen plagen ihn. Er sieht immer nur seinen großen, erfolgreichen Bruder, den Erstgeborenen. Dieser Besitz alles, was er selbst nie besitzen wird. Durch den Status als Erstgeborener besitzt er ein Rudel, eine Familie, Macht und Ansehen als König des schönen Geweihten Landes.

Diese Tatsachen erklären, warum Scar so sehr darauf erpicht ist, die Königsherrschaft an sich zu reißen. Er will ebenfalls die Macht und das Ansehen eines Königs, er will Anerkennung. Der Neid verblendet Scars Charakter.

Auch äußerlich ist er anders, er ist ein schwarzer Löwe, wodurch sich die Ausgrenzung noch hervorhebt. Die Farbe ist eine Metapher für das Böse.

In dem Lied "Der Wahnsinn von König Scar" werden erstmals die Gefühle Scars deutlich. Er spricht über seine Kindheit: "Nicht mal als Löwenkind erfuhr ich, was Liebe ist". Er versteht nicht, warum er immer so anders als sein Bruder behandelt wurde: "Was hatte denn mein Bruder, was ich nicht habe?" Des Weiteren spricht er von einer tiefen Leere, von einem tiefen Hunger, der ihn erfüllt. Er sehnt sich nach Liebe, Zuneigung und Geborgenheit. Als Kind war ihm dies schon verwehrt, auch als erwachsener Löwe und schließlich als Herrscher kann er dies nicht erlangen. Sein intriganter und von Neid zerfressener Charakter hindert ihn daran, von anderen geliebt und anerkannt zu werden.

Scar ist in Wahrheit also sehr verletzlich und sehnt sich nach Zuneigung und Akzeptanz. Er versteckt sich hinter Zynismus und Intrigen und lebt so sehr darin, dass er sich letztlich nicht mehr davon befreien kann.

Fazit:

Um auf den Titel zu sprechen zu kommen: Scar ist also nicht einfach nur böse. Die Prägung seiner Umwelt hat ihn zu dem gemacht, was er letztlich ist: ein verbitterter, neidvoller Löwe, der keine Intrige und keinen Verrat auslässt, um seine Ziele zu erreichen, um endlich anerkannt zu werden.

Aber ganz ehrlich, was wäre "Der König der Löwen" ohne Scar?
Was wäre eine schöne Geschichte ohne einen richtigen Bösewicht?