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Kitsch!
Elisabeth nur ein weiteres Stück Sisi-Kitsch?
Von Charlotte
Der Stephansplatz in Wien. Nur wenige Schritte vom weltberühmten Dom ein kleiner Souvenirladen, der nur drei schmale Postkartenständer als Auslage vor dem Eingang stehen hat. Im Schaufenster liegt eine der billigen Sammlerpuppen, die man für schwindelerregende Preise bei sämtlichen Fernsehshops bestellen kann.
Daneben ein kleines weißes Schildchen: Kaiserin Elisabeth-Modellpuppe.
Da runzelt man die Stirn. Diese Kulleraugen, das runde Gesicht, die dicke Nase und ein runder Bauch. Das soll Sisi sein?
Aber natürlich lockt der Name der Kaiserin ins innere des Geschäfts. Ein ganzes Regal voller Teetassen, Unterteller, Schneekugeln und Gipsminiaturen. Allesamt mit einem billigen Druck des prächtigsten Franz Xaver Winterhalter Gemäldes.
Doch so ist das Bild von Kaiserin Sisi: Kitschig, überladen und fern jeder Historie.
Das stellt auch Luigi Lucheni im Musical Elisabeth fest, während Elisabeth und ihr Mann Franz Joseph zu Königin und König von Ungarn gekrönt werden.
Alles, was ihr Leben uns zurückgelassen habe, sei purer Kitsch und weder Bücher noch Filme würden uns ein realistisches Bild der Kaiserin liefern.
Eigentlich wollten Michael Kunze und Sylvester Levay in ihrem Musical mit diesem Image der schönen Kaiserin aufräumen. Doch ist ihnen das tatsächlich gelungen? Oder ist das Musical Elisabeth wieder nur eine dreistündige Kitschladung, wie die Sissi-Filme?
Nun, Tatsache ist, dass die Person des Todes natürlich nur erfunden, oder zumindest nicht historisch belegt ist. Was nicht weiter verwudnerlich ist, wenn man bedenkt, dass man ihn nur kennen lernt, wenn man zwischen Leben und Tod steht, was nicht allzu oft passiert.
Mit der Erfindung des Todes lässt sich leicht der Schluss ziehen, dass auch die Liebesbeziehung zum Tod eine reine Fantasiegeschichte ist.
Doch hielten sich die beiden Autoren ansonsten an historische Fakten und blieben der melancholischen Kaiserin treu?
Soweit sich das aus den Augen eines Menschen betrachten lässt, der nicht Elisabeth Amalie Eugenie von Habsburg heißt, tun sie das allerdings.
Sie beschönigen nichts, sie fügen nichts hinzu und sie lügen keine Wohltaten, die Sisi kaum tat, hinzu. Sie berücksichtigen Elisabeths unbändigen Freiheitsdrang und stellen ihr schwierige Beziehung zu ihrer Schwiegermutter nicht als unfairen Kampf dar, in dem Sisi das arme Mobbingopfer ist, sowie es die Sissi-Trilogie oder die Sissi-Fernsehserie tut.
Die historischen Daten stimmen und Elisabeths Liebesleben wird nicht ein einziges Mal als erfüllt und vollkommen bezeichnet.
Sisi wird nie als Engel dargestellt und somit ist Elisabeth - Das Musical eine sehr differenzierte und auch kritische Darstellung des Lebens der Kaiserin.
Doch in einem hat Luigi Lucheni mit seinem Lied recht: Weder werden wir je die ganze Wahrheit über die schöne Kaiserin erfahren, noch ist uns groß etwas anderes von ihr geblieben als von Kitsch überladene Souvenirläden. Immerhin gibt es inzwischen sogar Anziehpuppen aus Papier...
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