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Politik im Musical: Elisabeth Königin von Ungarn
„Ungarn, Elisabeth hat euch befreit...“
von Charlotte
So besingt Luigi Lucheni die wartenden Ungarn vor der Kirche in Budapest, in der Elisabeth und Franz Jospeh von Habsburg zu Königin und König von Ungarn gekrönt werden.
Die Ungarn freuen sich, Elisabeth, oder vielmehr Erzsébet, habe schließlich die Wiener Unterdrückung besiegt und ihnen so zur Freiheit geholfen. Während sie in ein euphorisches „Eljen Erzsébet verfallen, erklärt Lucheni, dass Elisabeth so dem Nationallistenbund hilft, das Kaiserreich zu zerstören. Letztenendes zerfällt es nur 49 Jahre später ja auch.
Für Elisabeth ist das ganze ein Befreiungsschlag. Endlich löst sie sich auch von ihrem geliebten Tod los, der sie wieder umgarnen will. Nein, jetzt hat sie ihren eigenen Weg gefunden, sie konnte ja auch ihren Mann davon überzeugen, Ungarn zu befreien.
Doch schon im ersten Akt sahen Gyula Andràssy und seine Gefolgsleute ihre Motive an ganz anderer Stelle. Sie lässt sich nicht auf einen Machtkampf für Ungarn ein, der Ungarn willen, sondern um ihrer Schwiegermutter Sophie eins auszuwischen.
Soweit das Musical. Aber wie war es damals wirklich? Warum wurde Sisi überhaupt Königin von Ungarn?
Tatsache ist, dass Sisi bereits am Tag ihrer Hochzeit mit folgendem Titel aus der Augustinerkirche in Wien schritt: Elisabeth Amalie Eugenie, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen, Königin der Lombardei und Venedig, von Dalmatien, Kroatien, Slavonien, Galizien, Ladomerien, und Illyrien, Erzherzogin von Österreich, Großherzogin von Krakau, Herzogin in Bayern, Herzogin von Lothringen, Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain, der Burkowina, Ober- und Unterschlesien, Großfürstin von Siebenbürgen, Markgrafin von Mähren und gefürstete Gräfin von Habsburg und Tirol.
So. Bevor wir uns jetzt den Kopf darüber zerbrechen, was diese ganzen Titel überhaupt zu bedeuten habeb, ist eines doch auf jeden Fall festzustellen: Bereits zu diesem Zeitpunkt war Elisabeth Königin von Ungarn.
Warum also musste sie noch einmal gekrönt werden?
Der einfache Grunde ist, dass alle anderen Titel und damit verbundenen Länder der Kaiserwürde von Österreich untergeordnet waren. In erster Linie kam also Österreich. Dann folgte der Rest.
Elisabeth herrschten über einen erzwungenen Vielvölkerstaat, der genau daran zu zerbrechen drohte. Keiner fühlte sich zu irgendetwas in dieser Monarchie zugehörig und so benahm man sich auch.
Es kam gerade in Ungarn zu heftigen Revolten und unter der Führung von Ferenc Deàk und Gyula Andràssy bildete sich eine Widerstandsgruppe, die dem Kaiser/König schwer zu schaffen machte. Eine Lösung musste her.
Wie passend also, dass Elisabeth sich bei ihrem ersten Besuch des Landes trotz des Todes ihrer Tochter Sophie, in das wilde Land verliebt hatte. Sisi war schon immer eine leidenschaftliche Reiterin gewesen und in Ungarn lässt sich noch bis heute jeder Reitertraum erfüllen. Weites Land und erstklassige Pferde laden zu Abenteuern ein. Außerdem empfingen die Ungarn Elisabeth, die schöne Kaiserin, mit einer Herzlichkeit, die sie in Wien nie erlebt hatte.
Kein Wunder also, dass sie Franz Joseph zu einer Einigung drängte.
Und tatsächlich. Er hörte auf seine Frau, schlug den Rat seiner Mutter in den Wind und trat 1866 mit dem ungarischen Landtag in Verhandlungen.
Ein Jahr später, am 8. Juni 1867, wurden Franz Joseph und Sisi dann offiziell gekrönt und dabei entstand die k.u.k-Doppelmonarchie. Von nun an gab es weder Österreich noch Ungarn, sondern nur noch Österreich-Ungarn, einen Doppelstaat.
Zu diesem Anlass schenkten die Ungarn (vermutlich angeleitet von Andràssy) dem „neuen“ Herrscherpaar das Schloss Gödöllö.
Historisch wird das ganze Ereignis, das mit viel Pomp und Aufwand gefeiert wurde, Österreichisch-Ungarischer Ausgleich genannt, da Ungarn wieder volle Freiheiten und Rechte bekam.
Für die Musical-Elisabeth war dieser Ausgleich vor allen Dingen ein persönlicher Befreiungsschlag. Die historische Frau hat das Volk der Ungarn sehr geliebt und sich aus diesem Grund für das Volk eingesetzt(sie stellt später auch nur noch ungarische Hofdamen an).
Auf jeden Fall war dieser Ausgleich nötig, damit das habsburgische Reich bestehen bleibt.
Ob dieser Ausgleich nun zum Ende von ebendiesem geführt hat, bleibt Interpretationssache und kann wie so vieles nicht eindeutig beantwortet werden. Zwischen diesem Ereignis und dem Ende der Habsburgischen Herrschaft liegen schließlich immerhin Probleme in einigen anderen Staaten, ein politischer Mord am Thronfolger, der erste Weltkrieg und der Tod Franz Josephs, der nach Elisabeths Ableben wohlgemerkt auch sehr geschwächt war. Das alles kann durchaus zum Untergang eines Reiches führen. Sicher haben einige Ereignisse dabei einen entschiedenen Einfluss und andere weniger. Ob allerdings ein einziges Datum das Ende heraufbeschworen hat, wie Lucheni es dem Publikum erzählt, bleibt allerdings fraglich und ist heute nicht mehr zu beantworten.
Copyright Bilder: Wikipedia t
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