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Wicked: Heißgeliebt
Galindas Rezept zur Beliebtheit
Von Henrike W. Ledig und Isi S.
Ja, einmal beliebt, einmal vielleicht wirklich "heiß geliebt" zu sein, wer von uns hat nicht mindestens einmal das Bedürfnis danach gehabt? Dass dies eine rhetorische Frage war, versteht sich wohl von selbst und nun möchte ich, diesmal mit tatkräftiger Unterstützung von meiner Freundin Isi, einen Röntgenblick auf die wohl "heiß geliebteste"- Person der derzeitigen Musicalszene werfen: Galinda von den "Upper Upplands"
Die Situation: Ein Zimmer, zwei Frischgebackene Freundinnen und ein Abend zu füllen. Natürlich nimmt der ganze "Frauenkram" ungehindert seinen Lauf... und so werden die Intimsten Geheimnisse, sowie Styling Tipps und Lebensweisheiten ausgetauscht. Die Offensive liegt bei allem bei der jungen Blonden, die so von Situation, Möglichkeiten und überhaupt Lebensfreude, wenn nicht sogar schon "Kicherrismus" überrumpelt wurde, dass sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als Multi-Tasking zu betreiben und ihrer neuen Freundin, die ja ihrer Meinung nach so überhaupt keine Ahnung von Jungs, Style und Freundschaft hat, gleichzeitig eine neue Frisur macht, ihr ihre Weltansicht erörtert und über Jungs ablästert, was die andere nur mit stillem Perplex hinzunehmen und verstehen versucht.
Doch obwohl alles so schnell und unvorbereitet von statten geht, kommt man doch nicht umhin einen tieferen Sinn, wenn nicht sogar eine ungeheure Cleverness, in dem fetzigen Stück zu erkennen, die man dem kleinen verwöhnten Blondchen nicht zugetraut hätte.
So hat Galinda wohl doch schon einen kleinen Blick in die Welt außerhalb von Gillikin gewagt und erkannt: Unsere Politiker und andere Prominente sind das nicht, weil sie besonders fähig dazu sind, sondern weil sie es einfach verstehen, Leute mit Charme und Äußerlichkeiten auf ihre Seite zu ziehen, wenn nicht gar zu manipulieren. Und so scheint es, versteckt sich hinter jedem kein kluger Kopf, sondern nur eine Begabung zur zur Schaustellung.
Damit beweißt Galinda, dass sie schon jetzt genau weiß, wie man es im Lande Oz zu etwas bringt, und diese Gedanken erweisen sich, wie sich im Verlauf des Stücks heraus kristallisiert, als wahr, eigentlich traurig, aber leider wahr.
Nun zu ihrem "Rezept zur Beliebtheit": Galinda ist beliebt, außerordentlich beliebt und um sie herum kreisen die Speichellecker wie die Elektronen um den Atomkern. Dass Galinda selbst wirklich etwas dafür getan hat, ist jedoch fraglich, sie hatte wohl einfach Glück und eine natürliche Anziehungskraft auf Leute. Dadurch reimte sie sich eine gute Seele und eine wahnsinnige Ahnung über Styling und Attraktivität zusammen, obwohl sie selbst zuzüglich die Vorzüge eines von natur aus schönen Körpers zu besitzen. Mit den Jahren lernte sie diesen dann zu ihren Gunsten einzusetzen, um zu bekommen was sie wollte.
Die Idee, die sie in die Tat umsetzte, als sie Elphaba verschönern wollte, lag dann wohl allein darin, dass ihr Herz ihr sagte: "Oh sie mal, sie ist viel hässlicher als du, du bist die Gute, also tu eine gute Tat damit ihr leben einfacher wird!"
Denn, dass sie Elphaba wirklich helfen wollte, ist in Frage zu stellen, da sie ja selber zu gibt, dass sie diese beliebt machen will, aber nur so viel, dass Elphaba noch keine Gefahr für Galindas eigene Schönheit darstellt.
Trotz allem Eigennutz an der Tat des "Coolmachens von Elphaba" hat dieses einen Vorteil, der , zwar nicht in Galindas Sinn, aber trotzdem sehr wertvoll war: Es gibt Elphaba das Gefühl, wenigstens einmal im Leben wirklich schön zu sein und obwohl sie es sich nicht eingestehen will, es gefällt ihr. Und auch wenn sie dieses Gefühl, zuerst erschreckt, legte sie doch vorher nie wert auf Äußerlichkeiten, gibt sie sich doch damit ab und so hat ihr Galinda doch einen Unschätzbaren Dienst erwiesen: Sie gab Elphaba schon durch die kleine Geste, sich mit dem Mädchen an sich zu beschäftigen, mehr Mut und Selbstbewusstsein.
Weiter blickend im Musical fällt wohl eines ganz besonders auf: Galinda hält auch Jahre später noch an ihren eigenen Prinzipien fest: Um berühmt und geliebt zu sein ist vor allem eins: verdammt hübsch.
OK, sie schleimt, lügt, betrügt und kriecht zu Kreuze, aber sie hat erreicht was sie schon immer wollte: Sie ist eine Figur in Oz, zu der die Bewohner aufsehen und die bewundert wird, und das obwohl sie ja nicht wirklich etwas für dieselben macht, aber das ist unerheblich, denn wie Madame Akaber doch so schön sagt: "Das einzige, was du tun musst ist Lächeln, Winken und die Klappe halten!"
Das trifft es wohl auf den Punkt. Trotzdem hat sie doch vielleicht mehr erreicht als Elphaba, die sich für all das immer zu Schade war. Also liegt im Endeffekt, nicht weniger Berechnung der Umstände, Cleverness und Tücke in ihrem handeln als in dem von Elphaba. Ob ihr Handeln trotzdem korrekt war, darüber lässt sich natürlich streiten.
Doch wollen wir dies nun mit einem Zitat von Elphaba selbst über ihre einzig wahre Freundin zum Abschluss bringen, der wohl sämtliches außer acht lässt und die Gesamte Galinda wohl besser als alles andere zusammenfasst:
"Galinda ist mir mittlerweile selbst ganz lieb geworden. Hinter ihrer blauäugigen Selbstverliebtheit verbirgt sich ein Hirn, das gerne arbeiten würde. Sie denkt tatsächlich über so manches nach. Wenn sie ihr Hirn in Betriebt nimmt, und man etwas nachhilft kann es durchaus sein, dass sie (...) denkt. Wohlgemerkt ich vermute es. Ich weiß es nicht. Aber wenn sie in sich zurücksinkt, das heißt, in das Mädchen, das zwei Stunden am Tag damit zubringt, seine schönen Haare in Locken zu legen, dann ist es, als ob die denkende Galinda in einer inneren Abstellkammer verschwindet und die Tür hinter sich zuschlägt. Als ob sie hysterisch vor Dingen zurückweicht, die zu groß für sie sind. Ich liebe sie in beiden fällen, doch ich finde es komisch."
Copyright Bilder: Stage Entertainment
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