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Kat and the Kings
~ das Musical ~
Von Sisi Silberträne
Neben den aufwändigen Produktionen in großen Theatern, in die über tausend Zuschauer passen, gibt es auch kleine Bühnen, auf denen so manch herausragende Show präsentiert wird. Leider schaffen diese Perlen es oft nicht, den Bekanntheitsgrad zu erobern, der ihnen zustünde. Zu diesen Stücken gehört ohne Zweifel auch „Kat and the Kings“, das Musical von David Kramer und Taliep Petersen, das 1999 mit dem Oliver-Award für „The best new Musical“ ausgezeichnet wurde.
„Oh Lagunya,
we love the sound of the street
Oh Lagunya,
the sound of the African beat!“*
Mit viel Witz und vor allem mitreißender Musik wird auf der Bühne die Geschichte von fünf jungen Farbigen erzählt, die im Südafrika der späten Fünfziger Jahre eine Musical Harmony Group namens Cavalla Kings gründen, und sich damit einen gemeinsamen großen Traum erfüllen.
Kat Diamond und seine Freunde Bingo, Ballie, Magoo leben in Kapstadt, genauer gesagt in District six, der Bezirk, wo die Apartheid noch nicht um sich gegriffen hat. Wo Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Glaubensrichtungen noch miteinander auskommen. Die vier Burschen schwärmen für die amerikanischen Bands und singen über Mädchen, wenn sie vor ihrem Lieblingscafé abhängen. Als dann Magoos Schwester Lucy dazu stößt, ist die Truppe komplett. Die Cavalla Kings, benannt nach einer Zigarettenmarke, sind da.
Natürlich ist noch viel zu tun auf dem Weg zum Erfolg. Es muss so manches Opfer gebracht werden, das erfährt auch der chaotische Ballie, dessen Wuschellocken weichen müssen, wenn es heißt „Dress to kill!“*
Und dann stellen sich dank eines weißen Talentsuchers die ersten großen Auftritte ein. Doch die Fünf haben es nicht leicht. So sehr sie gefeiert werden, ihre Hautfarbe zwingt sie dazu, viele Clubs und Hotels, in denen sie spielen, durch den Personaleingang zu betreten. Den Höhepunkt stellt zweifelsohne das Claridges Hotel in Durban dar.
Am Höhepunkt des Erfolges kommen die Probleme. Ballie will heiraten, auch wenn ihm seine Freunde versichern „The last thing you need in your life is a wife!“* Auch Lucy hat die Liebe zugeblinzelt, in Form des weißen Mr. Smitty, und wenn sie zusammen sein wollen, müssen sie das Land verlassen. Magoo begleitet sie nach Toronto.
Die Band ist an den Folgen der Apartheid zerbrochen. Bingo singt für andere Gruppen, während Ballie in einer Fabrik arbeitet, um seine sieben Kinder zu versorgen. Und Kat Diamond „The man everyone wanted to be“* verspielt sein ganzes Geld, endet schließlich als armer aber weiser Schuhputzer. Dieser gealterte Kat ist es, der die Geschichte erzählt und die Erinnerungen wieder erweckt.
Im Stück treten nur diese sechs Personen auf. Der alte Kat, der die Erzählerrolle inne hat, der junge Kat, der wie seine Freunde Bingo und Ballie nicht viel Geld hat. Im Gegensatz dazu stammt das Geschwisterpaar Magoo und Lucy aus einer besser betuchten Familie.
Das Bühnenbild ist sehr einfach gehalten, die Hintergrundkulisse wechselt ein paar Mal. Mit Requisiten und Kostümen verhält es sich ähnlich. In einem solch kleinen Theater wie zum Beispiel dem Vienna English Theatre ist kein Platz für ein großes live Orchester, der Großteil der Musik kommt vom Band. Trotz dieser geringen Mittel, oder vielleicht gerade deshalb wird eine grandiose Show geboten.
Eindrucksvoll ist es, wenn die fünf Burschen ganz ohne musikalische Begleitung von Mädchen singen. Der einzige Sound stammt von klappernden Schuhen und schnalzenden Gürteln. „She's got big green eyes, you will be hypnotized.“*
Hypnotisiert wird auch der Zuschauer von diesem Musical. Die lebensfrohen afrikanischen Melodien gehen nicht nur ins Ohr, sondern direkt ins Blut.
Die Geschichte ist eine sehr ernste, so gibt es dazu passende ruhige nachdenkliche Songs, etwa Lucys Träumen vom Freisein, oder die Weisheiten des alten Kat. „If his toecaps wink and blink, I don't care what Rands he wears, he's richer than you think.“*
Trotzdem bleibt der Humor nicht aus. Zu Lachen gibt es unter anderem viel, wenn die Fünf nach einem Gimmick suchen, um beim ersten Auftritt Eindruck zu machen.
Bei diesem Musical sollte wirklich für jeden etwas dabei sein. Nur eins wäre zu empfehlen, nämlich gute Englischkenntnisse. Aber diese Show wird selbst dann mitreißen, wenn die etwas zu wünschen übrig lassen.
„Tell me why should I
have to stand and bow my head
in the shadows of the night?“*
Empfehlungen:
Kat and the Kings, West End 1998 live, u.a. erhältlich bei Amazon
Kat and the Kings, Cast Recording 2003
* aus „Kat and the Kings“
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