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Elisabeth - Ein Lied, eine Kaiserin, ein neuer Spielort

Das Musical Elisabeth wächselt den Spielort

von Jenny Wiedemann

Das Musical Elisabeth basiert auf der Erzählung eines Lebens einer österreichischen Kaiserin, die Liebe suchte und den Tod fand.
Die Texte von Michael Kunze und die Musik von Sylvester Levay berührten bis zum heutigen Tag über 8 Millionen Besucher und noch immer ist kein Ende der Erfolgsgeschichte in Sicht. Im Jahr 2008 wird es in Berlin, sowie in Zürich erneut ins Programm aufgenommen.
Seit der Uraufführung im September 1992 in Wien wurde es in 7 weiteren Ländern ein jahrelanger Erfolg.

Anders als bei der berühmten Sissi-Trilogie, die in den Jahren 1955, 1956 und 1957 große Erfolge verbuchen konnten, stelle Michael Kunze in seinem Stück eine andere Kaiserin Elisabeth dar. Eine Kaiserin, die depressiv ist, die aus ihrem goldenen Käfig entfliehen will, fliehen, in die Arme des Todes. Insgesamt ist in dem Stück eine dunkle, traurige Atmosphäre zu spüren, entgegen der heitereren Welt der mit Romy Schneider verfilmten Sissi-Historienfilme.

Ich habe das Stück in Wien und in Stuttgart bestaunen können und möchte heute zwei Lieder etwas genauer unter die Lupe nehmen: Stationen einer Ehe und das anschließende, die Schatten werden länger.

Das Musical ist in zwei Akten unterteilt. Im ersten Akt werden in 21 Liedern Sissis Kindheit, ihr Zusammentreffen mit dem Kaiser von Österreich, dem Tod, sowie ihre Hochzeit und die ersten Eheprobleme geschildert.
Im zweiten Akt wird es düsterer. 22 Lieder erzählen von dem Kampf der Kaiserin, dem Kampf um ihre Kinder, um sich selbst und dem Kampf gegen das Leben und Phasenweise auch gegen den Tod.

Das Lied Stationen einer Ehe beinhaltet für mich im Grunde alles, was in dem gesamten Stück eine Rolle spielt.

Lucheni erzählt, dass der Tod verärgert ist, weil er Elisabeth am Wiener-Hof sieht, wo sie doch eigentlich Sein ist. Doch er sorgt dafür, dass ihr das Leben dort nicht zusagen wird und gibt nicht auf.

Elisabeth hat Franz geheiratet, sie bekommen eine Tochter. Ihr Glück könnte perfekt sein, wäre da nicht ihre Schwiegermutter, die sie von ihren Mutterpflichten befreit.
Der Kaiser selbst hat damit zutun sein Land zu regieren, lässt seine Frau also oft allein und kann auch nicht verhindern, dass man Sissi ihr Kind wegnimmt. Er kennt seine Mutter und hält viel von ihr, was durch seine Erziehung auch nicht anders zu erwarten gewesen wäre.

Elisabeth versucht sich dagegen zu wehren. Weder darf sie sie oft sehen, noch darf sie ihrem Kind einen Namen geben. Auch ihr Mann stellt sich gegen sie. Nachdem es sich bei ihrer zweiten, gemeinsamen Tochter ebenso verhielt, setzte sie sich durch und forderte ihren Mann auf: Entweder die Kinder bleiben bei mir oder du kannst von mir keine Unterstützung mehr erwarten.

Fakt ist, durch die Reise nach Ungarn wurden ihre Kinder krank, ihre erste Tochter starb.
Elisabeth erkennt, dass sie nicht aus diesem Teufelskreis entkommen kann, dass sie gefangen ist und versucht ab diesem Zeitpunkt nur noch mehr, mit ihren Flügeln zu schlagen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Der Tod glaubt, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie bei ihm ist. Sie hat ihr Kind verloren. Er sagt ihr, dass mit ihr die Welt stirbt und sie sich nicht daran festhalten soll.

Dieses Lied betont die Grundproblematik, während andere Lieder nicht so verdeutlichen, wie sehr Elisabeth sich das Leben gewünscht hat, dass sie von Kindheit an erträumte.
Ihr Vorbild war ihr Vater, der frei war, der sein Leben so führte, wie auch sie es sich wünschte. Träumen, dichten, den Wind um sich herum spüren.
Doch dann kam er - ein gut aussehender Mann, der Kaiser des Landes war und der von ihrem Wesen verzaubert wurde.
Er warnte sie, dass das Leben am Hofe nicht einfach ist, doch sie baute allein auf ihre Liebe zueinander. Nur kam alles anders als gedacht. Ihr wurde die Freiheit genommen, gesagt, was das Beste für sie, ihre Ehe und ihre Kinder war. Bei dem Versuch auszubrechen, verlor sie ihr Leben, auf zweierlei Hinsicht.

Stationen einer Ehe und die Schatten werden länger, schon bei meinem ersten Musicalbesuch die Stelle, die mich am kraftvollsten zu berühren vermochte.
So kommen mir spätestens bei dem Übergang zu den Schatten stets mehr als die Tränen.

Ein Meisterwerk, dass einen nicht nur berührt, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Setzen wir uns in unserer heutigen Gesellschaft zur Genüge mit unserem eigenen Tod auseinander? Haben wir Angst? Ersehnen wir ihn gar manchmal, wie die junge Kaiserin?
Ist es der Tod selbst, den wir führten oder ist es eher die Art und Weise, wie wir einst sterben werden?

Elisabeth - Ein Lied, eine Kaiserin, ein neuer Standort - das Erlebnis für jung und alt.