Ticketempfehlungen:
Tanz der Vampire Stuttgart
König der Löwen Hamburg
Wicked Oberhausen
We Will Rock You Stuttgart
Tarzan Hamburg
Musical Noten
Buddy Holly Musical

Milady de Winter

~ ein vielschichtiger Charakter im Musical die 3 Musketiere ~

Von Sisi Silberträne

Wie es bei literarischen Vorlagen so ist, macht der Stoff auf seinem Weg auf die Leinwand oder die Bühne Veränderungen durch. Bücher lassen sich kaum je eins zu eins umsetzen, so auch nicht die Musketiere als Bühnenwerk. Ein großer Unterschied zur Vorlage besteht im Charakter der Milady de Winter. Die "Schurkin" der Geschichte.
Aber wer ist nun diese Milady?
Und warum vor allem ist sie so herzkalt?
Im Musical erfahren wir nicht einmal den Vornamen dieser faszinierenden Frauenfigur, die im Original Anne heißt. Anne de Breuil, die später durch ihre Vermählung mit einem Engländer zu Milady de Winter wird, wie wir sie auf der Bühne sehen.

Im Gegensatz zur literarischen Vorlage beruht ihr Brandmal hier auf einem Irrtum, der sicherlich männlich zu begründen ist. Der Kardinal erwähnt eine Liebschaft mit einem Priester, die allerdings keine war, sondern - nach Miladys Worten - eine Vergewaltigung, als sie erst fünfzehn Jahre alt war. Ihr Alter während der Haupthandlung bleibt auch ein Geheimnis. Im Musical ist sie jedoch auf jeden Fall älter als im Buch, wo es keine fünfundzwanzig sind.

Der Grund für ihre Rückkehr aus England ist ein sehr romantischer, sie will ihre große Liebe - nämlich Athos - wieder finden. Doch dazu muss sie sich erst von ihrer "Schande" rein waschen. Auch die Art und Weise wie der Musketier das Brandzeichen auf ihrer Schulter entdeckt, unterscheidet sich erheblich von der Vorlage, wo es in Folge eines Sturzes vom Pferd und Atemschwierigkeiten wegen des Korsetts geschieht. Auf der Hühne erwähnt Athos, dass es das Mondlicht war, welches sie verriet.

Das Scheitern ihrer Ehe mit Athos stellt nach der Vergewaltigung ein weiteres einschneidend negatives Ereignis in ihrem Leben dar, was ihre Verbitterung vor allem gegenüber Männern doch sehr nachvollziehbar macht. Mit dazu kommt, dass Kardinal Richelieu ihre Lage auszunutzen weiß. Sie würde fast alles dafür tun, um von ihrem Stigma (wie sie es selbst auch bezeichnet) befreit zu werden, denn sie will zurück zu Athos, ihrer großen Liebe, die sie nie vergessen konnte.

Deutlich gemacht wird auch, dass sie mittlerweile gelernt hat, bei Männern durchaus ihre Interessen durchzusetzen. Milady ist mit Sicherheit keine typische Frau dieser Zeit, die sich der Männerwelt unterordnet und damit auch noch zufrieden ist. Sie stürzt sich sogar gekonnt in einen Degenkampf (was allerdings eher damit zu tun hat, dass Pia Douwes das gerne auf der Bühne machen wollte, sodass es hinein geschrieben wurde).

So tragisch wie ihr Leben ist auch ihr Ende. Wie auch in der literarischen Vorlage ist Milady verantwortlich für den Tod der jungen Constance. Eine Begründung dafür bekommen wir nicht vorgeführt, eine Möglichkeit wäre aber durchaus, dass sie ihr ein Leben auf dieser von Männern beherrschten Welt ersparen wollte. Selbst kennt sie ja kaum anderes als Enttäuschung und Kummer, verursacht durch eben diese Männer. Doch das rechtfertigt freilich ihre Handlung nicht.

Auf dem Dach des Karmeliterklosters steht sie wieder vor Athos und muss erkennen, dass er sie jetzt erst recht nicht zurück haben will, auch wenn er sie immer noch liebt. Porthos und Aramis verurteilen Milady zum Tod, doch bevor auch Athos sein Urteil sprechen kann, wählt sie den Freitod, in dem sie sich vom Dach stürzt.

Im Buch wird sie enthauptet, und zwar vom Henker von Lille, dem Bruder jenes Priesters, den sie als junges Mädchen verführte und aus Liebeskummer in den Selbstmord trieb. Sie wird auch nicht nur des Mordes an Constance schuldig gesprochen, sondern auch an ihrem zweiten Ehemann, Lord Winter. So kann man sagen, dass das Musical versucht ihr doch noch eine menschliche Seite zu geben, sodass wir auch gewisse Sympathien für sie hegen können.

Warum allerdings Constance sterben muss, sei dahin gestellt. Wie vieles in Miladys Geschichte bleibt das der Phantasie von uns Zusehern überlassen. Aber gerade das macht meiner Meinung nach auch den besonderen Reiz dieses Charakters aus. Wir wissen nicht viel über Milady, und es bleibt daher viel Raum um eigene Theorien zu bilden. Die Antwort auf die Frage, weshalb sie zu dem geworden ist, was wir sehen, steckt in unseren Köpfen.