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Der Musicaldarsteller
Was versteckt sich hinter diesem Traumberuf?
Von Julia Schmieg
Musicaldarsteller – ein Beruf in der Vorstellung irgendwo zwischen Ruhm, Abendteuer und Lampen-fiber liegt. Die Kombination aus Sänger, Schauspieler und Tänzer ist der Mehrkämpfer unter den Ak-teuren. Denn die Anforderungen sind hoch. Er soll nämlich nicht nur ausgezeichnet singen, tanzen und schauspielern sondern soll diese Disziplinen fliesend ineinander übergehen lassen und sie zu einer Königsdisziplin verschmelzen, darf dabei aber keinen Moment aus der Rolle, welche er übernimmt, fallen. Das singen und tanzen übernimmt in der Regel eines gesteigert theatralischen Ausdruck der Figur, eines Gefühls oder einer Situation, wobei von dem Musicaldarsteller verlangt wird, dass die ganze Szene nicht übersteigert und damit albern wirkt. Auch soll der Darsteller optisch gut in die ge-spielte Rolle passen und muss deshalb sehr Wandelfähig sein. Außerdem wird von ihm eine starke Persönlichkeit, welche sich in Bühnenpräsenz, stimmlichem, körperlicher und spielerischem Ausdruck offenbart, als selbstverständlich erwartet. Zudem verlangt der Kontrast von Vorgaben wie Rhythmus, Timing, musikalischer Begleitung und Cheografie zu dem emotionalen Schauspiel nur ein großes Maß an Konzentration und Talent ab sondern vor allem viel Übung die harte Arbeit ist. Denn während er eine emotional aufgeladene Szene überzeugend umzusetzen hat muss e gleichzeitig auf Musikeinsätze, Lichtwechsel, die Vorgegebene Schrittfolge und vor allem das Spiel der Partners beachten und darauf reagieren, soll er gleichzeitig eine emotionale und persönliche Interpretation finden, sich aber zugleich unter Kontrolle haben.
Diese hohen Ansprüche werden gestellt da der Mensch seit dem Ursprung des Theaters im Mittel-punkt gestanden hat, so dass man immer wenn es Zuschauer und Darsteller gibt ein Theater veranstal-tet könnte. Doch werden durch sensationelle Spezialeffekte und aufwendige Licht- und Bühnengestal-tung die Musicaldarsteller immer mehr in den Hintergrund gerückt. Andrews Lloyd Webbers Musicals wie Cats oder Starlight Express setzen viel mehr auf hohe körperliche Anforderungen als Stars die besonders viel Menschlichkeit ausstrahlen. Doch auch der Brite wandte sich nach Katzen und Eisen-bahnen schell wieder dem weiten Spektrum der menschlichen Persönlichkeit zu und stieg deswegen auf Stücke um bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht. So rückt die Vorstellung, dass unsere ge-liebten Muscalstars von einer Art „Übermarianette“ ersetzt werden könnten zum Glück weiter in den Hintergrund. Und wenn man weiß das Stars wie Liza Minelli oder Ethel Merman ganze Stücke auf den Leib geschrieben wurden, erscheint die Vorstellung dass ein Musical irgendwann ohne das Talent, die Arbeit und vor allen die individuelle Persönlichkeit der Musicaldarsteller auskommen könnte fast schon lächerlich.
Das gesamte Konzept eines Musicals baut auf den Darstellern auf, auch wenn diese in der Hierarchie des Musicals an unterster Stelle stehen. Auf inhaltliche und konzeptionelle Entscheidungen hat er kei-nen Einfluss. Allein in der Gestaltung und Umsetzung der eigenen Rolle hat er ein wenig Freiraum. Doch in der Zeit der Großproduktionen wird auch dieser Freiraum wieder eingeschränkt, den nicht nur optisch soll der Darsteller der ursprünglichen Besetzung der Rolle so weit wie möglich ähneln, son-dern ihn auch in Persönlichkeit und Interpretation der Rolle so gut wie möglich nacheifern.
Außerdem wird die Wandlungsfähigkeit des Musicaldarstellers zusätzlich beim Einsatz als Zweitbe-setzung gefordert. Dies ist notwendig da kaum ein Darsteller in der Lage ist über Wochen oder Mona-te, vielleicht sogar Jahre jeden Abend in der Vorstellung die hohe Belastung von Körper und Stimme durch zu stehen. Die enorme stimmliche und körperliche Belastung zeigen selbst bei den großen Mu-sicalstars Schwächen auf, was den Musicalnachwuchs beruhigen mag. So urteilen Filmgesellschaften auch über berühmte Musicaldarsteller harsch. Zum Beispiel, der am Brodway zu Erfolg gelangte Fred Astarie bekam von der Filmgesellschaft, welche den Star unter vertrag nehmen wollte, zu hören, dass er ein mäßiger Schauspieler sei und auch optisch nicht viel her mache, sein Kop sei im Vergleich zu dem schmächtigen Körper viel zu groß und er neige zu Haarausfall. Dieser Vermerk endete mit der lakonischen Bemerkung „Kann tanzen“. Dass Fred Asarie trotzdem zu einem der größten Musical-stars wurde, zeigt letztlich das man mit einer starken und überzeugenden Persönlichkeit und viel harter Arbeit in diesem Beruf so gut wie alle Mängel ausgleichen kann.
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