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Jesus Christ Superstar im Stadttheater Klagenfurt

I don't know how to love him

von Marion Nach seinem umjubelten Debüt als neuer Intendant des Stadttheaters Klagenfurt wagt sich Josef Köpplinger nun auch hier an Musicals und bringt mit „Jesus Christ Superstar“ einen hochkarätig besetzten Vertreter dieses Genres auf die Bühnen der Landeshauptstadt.

Anlässlich der Premiere des Stückes am 7. Februar 2008 in englischer Originalsprache mit deutschen Übertiteln ist es an der Zeit, wieder einmal unser religiöses Wissen aufzufrischen und uns den Inhalt des Klassikers von Sir Andrew Lloyd Webber und Sir Tim Rice genauer anzusehen.
Die Rock-Oper schildert die letzten sieben Tage im Leben von Jesus Christus, wie wir sie schon in der Bibel lesen können, allerdings ist der Blickwinkel aus der Sicht des allgemein als Verräter bekannten Judas Iscariot ungewöhnlich. Dieser steht als kritischer Beobachter abseits der fanatischen Verehrung und befürchtet, dass die eigentliche Mission zu scheitern droht. Nicht zuletzt gibt er dafür auch Maria Magdalena die Schuld, die ihre Gefühle in einem der bekanntesten Musicalsongs eindrucksvoll schildert. Die Sorge um den Erfolg bringt ihn dazu, seinen eigenen Freund zu verraten, was dazu führt, dass Jesus von den um ihre Macht besorgten Pharisäern und Pontius Pilatus zum Tod am Kreuze verurteilt wird. Judas begeht im Anschluss daran aus Verzweiflung und Schuldgefühlen Selbstmord. Er erscheint post mortem mit einem Popsong, in dem er Jesus fragt, ob er tatsächlich das sei, was er zu sein vorgibt. Das Stück findet sein Ende in der Kreuzigung Jesu, wobei das Schlussbild dieser Inszenierung eine Überraschung sein und hier nicht verraten werden soll.

Am Anfang dieses Musicals stand der der Titelsong „Superstar“, am Anfang dieser Inszenierung standen für Josef Ernst Köpplinger, der das Stück schon viermal inszeniert hat, drei Fragen, die uns alle beschäftigen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was suchen wir?
Er versuchte mit seiner Regiearbeit diese Fragen aufzugreifen und gleichzeitig den Stoff auch vom religiösen Aspekt so weit zu lösen, dass Christen, die sich das Stück ansehen, an die Bibel erinnert werden, dass aber auch Angehörige anderer Religionen mit der Hauptfigur, mit Jesus, mitleiden können. Dabei helfen ihm nicht nur ein ausgezeichnetes Team, sondern auch ebenso ausgezeichnete Darsteller, die das Stück teilweise schon unter seiner Regie in Graz gespielt haben.

Mit Daniel Prohaska (zur Zeit auch als Jean-Valjean in „Les Misérables in Graz) als Jesus und Boris Pfeifer (unter anderem der Fürst in der deutschsprachigen Premiere von „Romeo und Julia“) als Judas sind beide männlichen Hauptrollen in Klagenfurt hervorragend besetzt. Während Prohaska noch Schwächen in den hohen Tonlagen zeigt, meistert Pfeifer souverän sämtliche Höhen und Tiefen und spielt einen aggressiven, kritischen Jünger. Sowohl schauspielerisch und vor allem gesanglich überzeugt auch Maria Magdalena Juliana De Aquino vollkommen. Erwin Windegger, der zurzeit auch den Javert in „Les Misérables“ in Graz darstellt, ist auch in Klagenfurt als Pontius Pilatus der Gegenspieler Prohaskas. Noch dazuspielt er seine Rolle wegen eines Probenunfalls mit steifem Arm – seiner Stimme schadet das auf jeden Fall nicht! Previn Moore stellt den an den Wahnsinn grenzenden König Herodes dar, der in einer mitreißenden Revuenummer Jesus verspottet. Auch das restliche Ensemble glänzt durch eine herausragende Leistung.

Die Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit besticht ganz besonders bei den Massenszenen der ausgebildeten Musicaldarsteller zusammen mit dem exzellenten Chor des Stadttheaters, aber auch in den schwierigeren Passagen, die die Profis alleine meistern.
Obwohl wegen des ungefähr 70 Personen starken Ensembles der Regisseur ursprünglich kein Bühnenbild geplant hatte, steht jetzt dank Rainer Sinell ein Gerüst auf der Bühne, das etwa vier Tonnen wiegt und dem Schauplatz zwei Ebenen gibt. Durch aus dem Boden aufsteigende oder von der Decke herabsinkende Elemente und die Drehbühne entstehen weitere beeindruckende Szenenwechsel. Die Kostüme stammen von Gera Graf, die sich sowohl von der damaligen als auch von unserer heutigen Zeit inspirieren ließ. Die musikalische Leitung hat Jeff Frohner, der zu Recht als Rockmusik-Experte bezeichnet wird.

Bis zum 27. April 2008 muss Daniel Prohaska immer wieder am Kreuze sterben, ehe er sich eine Pause gönnen kann. Erst am 25. Juli feiert das Stück seine Wiederaufnahme und kann bis 9. August noch einmal in der Landeshauptstadt Klagenfurt, pardon, Klagenfurt am Wörthersee bewundert werden.
Da bleibt dem Kärntner nur noch zu sagen: „Des is klaas!“