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Interview mit Norbert Kohler
Der Jaques Hèbert aus Levay/Kunze-Werk "Marie Antoinette"
Anika Merten interviewte den Musicaldarsteller Norbert Kohler über seine Arbeit im Allgemeinen und seine Rolle im neuesten Levay/Kunze-Werk "Marie Antoinette", wo er den Journalisten Jaques Hèbert spielt.
Könnten Sie sich und Ihre Arbeit kurz vorstellen?
Sänger, Schauspieler, Tänzer - in dieser Reihenfolge
Wann fingen Sie an sich für Musicals zu interessieren? Wie kam es dazu?
Ich war immer schon an Schauspiel (Theater, Film) interessiert und kann mich gar nicht mehr erinnern, wann es angefangen hat, diese Faszination auf mich auszuüben. Mich hat die Tatsache fasziniert, mehr als ein Leben zu leben. So konnte ich mich auch schwer zu einer eindeutigen Berufswahl durchringen. Ich habe Architektur studiert, Sozialpädagogik, habe als Lehrer gearbeitet und sogar auf dem Bau. Alles, während ich noch ein zweites Leben als Musicalstudent geführt habe.
Wann und wie kam es zu dieser Berufswahl?
1992. Da ich mich nicht für eine Disziplin entscheiden wollte, fand ich Tanz, Gesang und Schauspiel lässt sich am besten im Musical vereinen. Noch dazu hat man tausend andere Berufe in den jeweiligen Rollen, die man spielt. Zurzeit probe ich am Journalisten (Jaques Hèbert) in "Marie Antoinette". Journalismus wollte ich übrigens auch mal studieren! ;-)
Was macht Ihnen dabei am meisten Spaß, was am wenigsten?
Ich glaube, da antwortet jeder Musicaldarsteller gleich: Am wenigsten schön sind die ständigen Ortswechsel und dass es schwer ist, sich irgendwo häuslich niederzulassen. Am besten finde ich, so einen abwechslungsreichen Beruf zu haben.
Welche Rolle haben Sie besonders gerne gespielt?
Ich mochte wirklich alle Rollen gern, die ich gespielt habe! Aber irgendwie war mir der "Alfred" in "TDV" schon besonders ans Herz gewachsen.Vielleicht deshalb, weil ich mich gut in "Alfred" widererkennen konnte mit meiner damals etwas naiven und offenherzigen Art. Vielleicht auch deshalb, weil es meine erste große Rolle in einem großen Theater war und ich so glücklich war, dort angekommen zu sein.
Welche Rolle würden Sie gerne spielen, wenn Sie die freie Wahl hätten?
Das aufzuzählen, würde viel Raum einnehmen. Das ist auch schon die Antwort: Ich möchte noch möglichst viele unterschiedliche aufregende Rollen spielen. Wenn ich eine Liste von 10 Rollen machen würde, hätte ich das Gefühl, die restlichen 100 Rollen wären beleidigt.
Wie gehen Sie es an, wenn Sie sich auf eine Rolle vorbereiten?
Ganz unterschiedlich. Manchmal ist es nötig, alles über das Thema zu lesen, im Internet zu recherchieren, Leute auszufragen, Bücher zu lesen und dann wieder kann sich herausstellen, dass es viel besser ist, ganz von den "Fakten" wegzukommen. Auch von anderen Schauspielern, die diese Rolle auch schon gespielt haben. Es gibt immer "Vorbilder", die sich als solche eignen und diejenigen, die sich eben nicht als solche eignen, weil man einen Charakter selbst ganz anders versteht. Manchmal wird man auch verwirrt, wenn man sich von zu vielen Seiten und mit zu vielen Menschen einem Thema nähert und muss am Ende erst wieder mühsam versuchen, alles zu vergessen, und seiner eigenen Intuition zu vertrauen. Aber während ich das schreibe merke ich, dass das wohl genau meine Herangehensweise ist: Zuerst versuche ich alles aufzusaugen, was ich erfahren kann und dann versuche ich genau das alles wieder zu vergessen und aus dem Bauch heraus zu agieren.
Haben Sie eine Art Ausbildung gemacht? Wenn ja, wann und wo?
1992-1998: That´s Musical (eine nicht mehr existente Musicalschule in Augsburg) und Stella Academy (eine nicht mehr existente Musicalschule in Hamburg) - Das Musicalbusiness ist offensichtlich sehr schnelllebig - das fängt schon bei den Ausbildungsstätten an!
Gab es auch schon Momente in denen Sie absolut unzufrieden mit ihrer Arbeit waren?
Natürlich! Immer wieder. Wenn man immer wieder vorsingen muss, um dann gerade mal für ein paar Monate "von der Straße" zu sein oder wenn man immer wieder umziehen muss. In diesen Momenten bin ich unzufrieden mit meinem Beruf. Unzufrieden mit meiner Arbeit bin ich auch immer wieder mal, wenn ich zum Beispiel nicht zeigen kann oder darf, was ich kann.
Werden Sie außerhalb des Theaters auch öfter mal erkannt? Wenn ja, wie ist das?
Das passiert schon mal, aber meist handelt es sich ja dann um Fans, die man selbst auch schon öfter gesehen hat und so ist es dann ungefähr so, als würde man Bekannte auf der Straße treffen. Ich bin auch schon von mir fremden Leuten im Cafè um ein Autogramm gebeten worden, aber das ist eher selten und ich empfinde es als schmeichelhaft.
Wer sind ihre Vorbilder und warum?
Ich glaube, Vorbilder hat man eher am Anfang der Ausbildung bzw. der Karriere. Bei mir war es aber immer ein "Patchwork" aus Vorbildern. Ich habe mir von verschiedenen Menschen verschiedene Eigenschaften zum Vorbild genommen. Irgendwann sollte man aber versuchen, seinen eigenen Weg zu finden.
Sie spielen demnächst im Musical Marie Antoinette" in Bremen die Erstbesetzung des Journalisten Jacques Hèbert. Viele Leute wissen noch nicht viel über das Musical. Könnten Sie ihre Rolle kurz vorstellen?
Über das Musical kann ich bisher nur sagen, dass ich die Musik sehr mag. Ich glaube, das Stück wird für die eine oder andere Gänsehaut sorgen! Der "Hèbert" ist ein nicht sehr netter Zeitgenosse, im Grunde möchte er die Königin loswerden. Er versucht, das Volk gegen sie aufzuhetzen und schreckt auch vor Verleumdung nicht zurück. Also kein wirklich seriöser Journalist, sondern eher ein Schmierenreporter.
Die Premiere ist bereits knapp in einem Monat. Sind Sie schon aufgeregt?
Aufgeregt noch überhaupt nicht. Das wäre ja schlimm, wenn man die letzten 5 Wochen vor der Premiere aufgeregt wäre! Da braucht man seine Kräfte für wichtigere Dinge... Aber ich freu mich sehr auf die Premiere!
Schließt man längerfristige Freundschaften mit den Kollegen oder beschränkt sich das nur auf die Zusammenarbeit während der Laufzeit des Musicals?
Ich habe im Laufe der Zeit einige Freundschaften geschlossen, die zum Teil schon über zehn Jahre halten. Aber es gibt auch immer die Menschen, mit denen man eigentlich während der Produktion super auskommt, aber der Kontakt danach trotzdem ganz schnell einschläft. Umso mehr freut man sich dann, wenn man nach Jahren wieder mit ihnen zusammen auf der Bühne steht - so geht es mir jetzt bei "MA". Da habe ich mich riesig gefreut, so viele alte Freunde wiederzusehen. Um eine echte Freundschaft wirklich zu halten, gehört viel Arbeit dazu und zwar von beiden Seiten.
Wenn Sie noch einmal vor der Entscheidung stehen würden, und wählen könnten, in welche Richtung Ihr beruflicher Weg gehen soll, würden Sie alles noch einmal genauso machen? Was würden Sie ändern wollen?
Ich würde gerne nochmal von vorn anfangen und dann ausprobieren, wie es ist, Opernsänger zu werden. Obwohl - vielleicht würde ich einfach doch nur Schauspieler werden. Oder Tänzer! Okay, ich glaube, ich würde wohl doch alles wieder genauso machen. ;-)
Was erwarten Sie von der Zukunft oder wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
Ich erhoffe und erwarte mir noch viele interessante Rollen und schöne Partien. Ich hoffe auch, dass ich in zehn Jahren noch soviel Spaß an meinem Beruf habe, wie heute. Und ich sehe mich in einer Position, wo ich mir den Luxus erlauben kann, komplett frei zu entscheiden, worauf ich Lust habe und worauf nicht.
Gibt es noch etwas, das Sie unsern Lesern sagen oder nahe legen möchten?
WHEN YOU SEE YOUR WISH - PURSUE! IT´S A DANGEROUS ENDEAVOUR BUT THE ONLY THING TO DO.
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