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Interview mit JVDEA-Schülerin Nadja Scheiwiller

Der harte Weg zur Musicaldarstellerin

Nadja Scheiwiller ist im 3 Ausbildungsjahr an der Joop van den Ende Academy und somit ihrem Ziel Musicaldarstellerin zu werden sehr nahe. Sophie Siekmann hat in Namen der Musical-Fanapge ein Interview mit der zukünftigen Musicaldarstellerin geführt, die wir vielleicht bald als hellen Stern am Musicalhimmel erleben dürfen.

JVDEA-Schülerin Nadja Scheiwiller Ersteinmal zu deiner Person. Wann und warum hast du dich entschieden den harten Weg eines Musicaldarstellers zu gehen?

Ich war schon immer sehr aktiv und hatten einen starken Bewegungsdrang. So habe ich mit 6 Jahren angefangen Akrobatik/Bodenturnen/Partnerakro zu machen. Ich hatte auch schon immer grosses Interesse an Musik, und habe viel für mich gesungen und mich aufgenommen. Mit 7 Jahren habe ich angefangen Geigenunterricht zu nehmen.
Ich habe dann nebenbei auch viel getanzt (Streetdance, HipHop, dann Ballett). Mit 15 habe die beiden Filme "Save The Last Dance" und "Billy Elliot" gesehen, die sehr viel in mir aufgewühlt und ausgelöst haben. Mir wurde klar, dass ich meine Hobbys und meine Liebe zur Musik und zum Tanz zum Beruf machen möchte.
So kam ich auf die Idee mit der Musicalausbildung, weil da Tanz, Gesang und Schauspiel vereint werden, was mich von Anfang an fasziniert hat.
Darauf hin habe ich Gesangsunterricht genommen und ich habe angefangen Jazz, Ballet und Modern zu tanzen um mich vorzubereiten. Nebenbei habe ich das Musikgymansium gemacht, was mich musikalisch und theoretisch gut vorbereitet hat, worüber ich jetzt sehr froh bin. Und so nahm alles seinen Lauf...

Was meinst du sind die wichtigsten Punkte die ein zukünftiger Darsteller mitbringen sollte?

Für mich sollte ein guter Darsteller eine starke Persönlichkeit sein, Leidenschaft für das was er tut, Talent und Spass mitbringen und vor allem Disziplin, einen starken Willen und Offenheit sich selbst und anderen gegenüber an den Tag legen. Fairness und Teamfähigkeit sind auch sehr wichtig in diesem Beruf.
Man sollte sich gegenüber kritisch bleiben und seine Arbeit immer wieder neu und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten - man lernt sein Leben lang dazu.
Trotzdem soll man sehr selbstsicher sein, und sich und seiner Arbeit vertrauen, sonst kann man sich ziemlich kaputt machen in diesem Business. Ganz schlimm finde ich Überheblichkeit und Arroganz, das gehört für mich überhaupt nicht zu einem guten Darsteller.

Wie war deine Aufnahmeprüfung? Wie läuft sowas ab und ist es wirklich so schwer wie immer erzählt wird?

Puhh..wie war meine Aufnahmeprüfung :) Auf jedenfall sehr aufregend. Und ich war auch sehr aufgeregt.
Es gab 2 Runden, die erste Runde war im Februar und dauerte einen Tag lang. Ingesamt waren bei uns ca. 300 Leute da (aber auf 4 Tage verteilt). Ich musste ein Lied vorsingen, einen Monolog vorsprechen und Tanzen (Jazz und Ballet). Das wars und dann habe ich einen Brief zugeschickt gekriegt, ob ich es in die Finalrunde im Juni geschafft habe.
Im Finale - da warens am 1. Tag noch ca. 80 - mussten wir uns dann 2 Tage lang beweisen. Am ersten Tag wurde einzeln mit uns gearbeitet in den jeweiligen Fachbereichen (Gesang, Tanz und/ oder Schauspiel - je nach dem was sie noch von einem sehen wollten). Ich hatte Gesang, und jeder musste nochmal mit dem Schulleiter arbeiten. Dann sind schon einige - ungefähr 40 - rausgeflogen.
Am 2. Tag musste dann jeder nochmal vor die "grosse Jury" wo dann ca. 20 Leute an den Tischen sassen und dich sehen wollten. Jeder Bewerber musste da drinn verschiedenste Aufgaben meistern. Ich musste 1 Lied (On My Own) singen und es wurde mit mir daran gearbeitet - da ich sehr nervös war :) Und danach musste ich meinen Monolog in einer neuen Situation spielen.
Schlussendlich wurde dann noch am selben Abend verkündet, welche 16 es geschafft hatten und aufgenommen worden sind. Ob es schwer war kann ich so nicht sagen, ich weiss nur dass es sehr sehr aufregend, emotional und anstrengend war.

Wie ging es dann weiter als du erfahren hast dass du die Aufnahmeprüfung bestanden hast?

Dann kramte ich mein Organisationstalent hervor, denn nun gab es ja einiges zu tun. Da ich aus der Schweiz komme, erschwerte das natürlich die Wohnungssuche. Ich hab mich mit einem anderen Mädchen aus meinem zukünftigen Semester zusammen geschlossen und so haben wir per Mail, Internet und Telefon Wohnungen gesucht...und gefunden.

Zudem habe ich angefangen Stipendiengeber zu suchen - in der Schweiz gibt es da einige Stiftungen. Das war eine langwierige Arbeit, aber ich habe es mit viel Einsatz, Wille, Überzeugungskraft und Glück geschafft, 2 Stipendien zu finden.

Dann kamen die Abschiedspartys, der nicht ganz leichte Abschied von langjährigen Kindergartenfreunden und Familie und schliesslich der endgültige Umzug von Basel nach Hamburg - ins neue aufregende Leben :) .
JVDEA-Schülerin Nadja Scheiwiller
Jetzt wohl die wichtigste Frage: Wie sieht der Alltag eines Schülers auf einer Musicalschule aus?

Ziemlich lange auf jedenfall. Wir fangen den Tag morgens um 08:30 alle gemeinsam mit 45 Minunten Drums und Movement, Ballet oder Gyrokinesis an (das wechselt von Tag zu Tag). Danach teilen wir uns in die verscheidenen Tanzlevels (es gibt 3 -4 , je nach Fach) auf und jeder hat dann entweder Ballet (3x pro Woche) oder Jazz/Modern (3x pro Woche). Meist kommt danach noch Steppen (2x pro Woche) oder Männer - bez. Frauenklasse (Krafttraining bez. Spitzentanz 1x pro Woche). Danach sieht der Tag bei jedem anderst aus. Aber grundsätzlich hat jeder Schüler 2 mal wöchentlich 1h Einzelgesang, alle haben gemeinsam Chor und im jeweiligen Semester Ensemblegesang und Blattsingen. Dann kommt Interpretationsunterricht dazu (du allein, 1 Schauspieldozent und ein Pianist, um an Liedern und Staging zu arbeiten), "TryOut" im halben Semester (das ist, wie der Name schon sagt, eine Ausprobierstunde, wo man sich gegenseitig zeigt woran man arbeitet und gemeinsam daran weiterarbeitet), Korrepetitionsunterricht und die Präsentationsklasse (alle Schüler plus Schulleiter plus Lehrer gemeinsam, die Klasse dient als kleine Plattform um zu zeigen woran man gerade arbeitet - egal ob fertig oder unfertig).

Dazu kommt noch Schauspiel/Improvisation ( im 1. und 2. Jahr alle gemeinsam, zu 2. und/oder alleine, im 3. Jahr nur noch Einzelunterricht), Sprecherziehung, Theatergeschichte (nur im 1.Jahr), Musicalgeschichte (nur im 2. Jahr), Musiktheorie (alle 3 Jahre), "Get ready To Go" (nur im 3.Jahr, Auditiontraining, Tipps&Tricks fürs spätere Leben) und Körperarbeit.

Alle diese Fächer werden aufgeteilt auf Montag - Freitag und jeden Samstag haben wir von 09:00 - 13:00 Workshops verschiedenster Art (zB. Gesangsworkshop, Standartanz, Improvisation etc.).

Wie lange dauert ein gewöhnlicher Tag an einer Musicalschule? Wieviel Freizeit hast du noch wenn du Musicalshow studierst?

Ein gewöhnlicher Tag bei uns dauert meist bis ca. 19:00. Man kann auch mal Glück haben und die Stunden sind so gut gelegt, dass man einen Nachmittag frei hat (ist aber selten der Fall :) Natürlich hat man dazwischen auch immer wieder kurze oder auch mal eine längere Pause, die man aber meistens zum Essen /Üben/ Noten suchen / Duschen etc. nutzen musst.

Zudem muss man bedenken, dass nach 19:00 nur der Unterricht vorbei ist, du selber aber meist noch ziemlich viel zu tun hast, wie zB. Texte lernen, Theorieaufgaben lösen, Songs üben, Steppen o.ä üben etc. Es gab schon viele Abende wo ich erst um 22:30 nachhause gekommen bin.

Und dann kommen noch ganz grundsätzliche Verpflichtungen wie Einkaufen um nicht zu verhungern, Wäsche waschen und evt. auch mal Schlafen hinzu :)

Am "Wochenende" (= Sonntag) musste ich persönlich (und viele andere auch) oftmals auch noch arbeiten, womit das Wort Freizeit zum grossen Fremdwort für uns wird.

Aber solange ich Spass dabei habe, nehme ich das gerne in Kauf und stelle mein Privat - und Freizeitleben für diese 3 Jahre stark zurück.

Gibt es in den Hauptfächern Gesang/ Schauspiel/ Tanz eine Art Rangliste, sprich was am wichtigsten gestellt ist, etc.?

Nein - meiner Meinung nach nicht. Es wird an unserer Schule versucht, alle drei Sparten möglichst gleichberechtigt zu unterrichten. Was nicht bedeutet dass man von allen 3 Fächern genau gleich viele Stunden hat.

Es wird auch versucht alle 3 Hauptfächer so gut wie möglich miteinander zu verbinden - denn um ein guter Tänzer oder Sänger zu sein - muss man auch ein guter Schauspieler sein, und umgekehrt.

Wie sieht es mit dem Theoretischen Fächern aus? Was wird einem da beigebracht?

Im ersten Jahr haben wir Theatergeschichte, wo man ganz von vorne anfängt und die ganze Entwicklung des Theaters durchnimmt. Es werden Vorträge gehalten, Filme geguckt und viel gelesen.

Im 2. Jahr haben wir dann Musicalgeschichte gehabt, wo wir alles über die Geschichte und Entwicklung des Musicals gelernt haben. Wir haben die wichtigsten Komponisten und ihre Werke kennengelernt und viele Interessante Filme und Dokus gesehen.

In allen 3 Jahren hat man Musiktheorie, wo man im ersten Jahr die Grundlagen lernt und danach vertieft in die Materie einsteigt. Zudem haben wir da auch Gehörbildung und Blattsingen.

Stimmt es, dass es zwischen den Schülern einen starken Konkurrenzkampf gibt? Falls ja, welchle Gründe gibt es da und wie äußert sich sowas?

Einen starken Konkurrenzkampf würde ich das nicht nennen. Grundsätzlich arbeiten wir Schüler miteinander und unterstützen und helfen uns gegenseitig. Zudem sind wir zB. bei uns im Semester so verschiedene Typen, dass wir meist gar nicht für gleiche Rollen in Frage kommen würden. Natürlich vergleicht man sich auch, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Ich persönlich mag es zB. sehr, wenn gute Leute um mich herum sind, es pusht mich und treibt mich an, eine noch bessere Leistung zu bringen - ich denke dann "Das möchte ich auch können". Meiner Meinung nach ist ein gewissen Mass an Konkurrenz immer gut, solange es nicht fies oder hinterlistig und gemein wird.

Wenn du noch einmal vor der Entscheidung stehen würdest, und wählen könntest, in welche Richtung dein beruflicher Weg gehen soll, würdest du alles noch einmal genauso machen?

Ja - genau so. Ich bin so glücklich mit dem was ich tue :)

Und zum Abschluss möchte ich noch einmal mit dir in die Zukunft blicken. :) Bald bist du eine studierte Darstellerin. Was sind deine Wünsche/Ziele/Träume für deine Zukunft?

Erstmal möchte ich einen Job haben der mich erfüllt und mir Spass macht. Ich möchte endlich Tanzen, Singen und Spielen und mich richtig austoben auf der Bühne :) Zudem möchte ich Geld verdienen, um meine Eltern, die mich so sehr unterstützen, endlich mal entlasten zu können und unabhängig zu werden. Ich möchte viel herum kommen in der Welt, viel sehen und Erfahrungen sammeln. Natürlich wäre ein Wunsch und Ziel mal eine Hauptrolle zu spielen.

Aber was mir am wichtigsten ist: Ich möchte glücklich sein mit dem was ich tue - sobald ich dass nicht mehr bin, werde ich mir etwas Anderes/Neues suchen was mich erfüllt. Vielleicht mal eine eigene kleine Musicalschule aufbauen...wer weiss?


Ich hoffe ich konnte euch mal einen kleinen Einblick in meine Welt geben. Falls ihr noch mehr Fragen habt, schreibt mir einfach über die Schülerwebsite der Joop van den Ende Academy (www.jvdea-s.de).


Und allen die den selben Weg einschlagen möchten, wünsche ich viel Energie, Kraft, Durchhaltewille, Spass und Leidenschaft. Dass werdet ihr brauchen!