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Interview mit Benjamin Baumann
Ein Musical-Multitalent
Benjamin Baumann ist Regisseur, Übersetzer, Darsteller und auch Autor von Musicals. Alle diese Berufe in einer Person zu vereinen ist schon ein großes Kunststück, deshalb wollte Anika Merten in dem folgenden Interview herausfinden, wie er dies geschafft hat und wie er die verschiedenen Sparten umsetzt.
Können Sie sich und Ihre Arbeit kurz vorstellen?
Ich heiße Benjamin Baumann, komme aus Hanau und bin 39 Jahre alt. Ich arbeite derzeit freischaffend als Regisseur, Übersetzer und Autor. Ab und zu stehe ich auch noch selber als Sänger oder Moderator auf der Bühne.
Wann fingen Sie an sich für Musicals zu interessieren?
Schon als Kind und Jugendlicher haben mich die alten Hollywoodfilme begeistert, in denen gesungen und getanzt wurde. Ich fand die Verbindung von Bewegung und Musik, von Sprache und Entertainment schon damals sehr inspirierend und interessant.
Sie führen Regie, schreiben selbst Stücke, übersetzen Musicals ins Deutsche und spielen sogar gelegentlich selbst mit. Wie kam es zu dieser Vielfältigkeit?
Das kann man nicht planen, denke ich. Bei mir hat sich das eine aus dem anderen ergeben. Ich habe schon immer gerne Regie geführt, wollte eigene Konzepte umsetzen und andere damit mitreißen und begeistern. Das ist bis heute so geblieben. Meine erste Übersetzung habe ich im Grunde illegal gemacht, d.h. ich habe einen Song in einer Show einfach neu getextet, weil mir die deutsche Fassung nicht gefallen hat (nicht als Aufforderung verstehen!). Das habe ich dann später mal dem Verlag gebeichtet und der fand meine Arbeit gut und hat mir sogar ein komplettes Musical zur Übersetzung angeboten.
Was macht Ihnen davon am meisten Spaß?
Die Aufgaben sind alle schön und herausfordernd. Allerdings mag ich das Regieführen schon besonders gerne.
Auf welches ihrer Projekte sind Sie besonders stolz oder an welches erinnern Sie sich besonders gerne?
Ich erinnere mich an viele Dinge sehr gerne, aber auf die Inszenierung von Non(n)sense, die bereits 1995 entstand und heute noch ab und zu gespielt wird, bin ich besonders stolz. Aber natürlich war auch Evita ein Highlight, das ich 2002 und 2004 anlässlich der Hessischen Landesgartenschau auf die Bühne bringen durfte.
Sie übersetzten Texte, führten Regie und entwarfen Bühnenbilder für das Musical Non(n)sense. Können Sie uns von diesem Projekt erzählen?
Das Projekt entstand aus einer sehr ambitionierten Theatergruppe, die bereits zwei Jahre lang zusammengearbeitet hatte. Wir waren damals alle auf dem Weg Profis zu werden und so wurde diese witzige Show unser erstes richtiges Musical. Wir alle sind mit dem Projekt gewachsen und konnten uns sehr gut weiterentwickeln. Mit dem Erfolg wurde dann auch alles noch viel professioneller: die Tonanlage, das Bühnenbild, die Vermarktung etc.
Hat es einen Grund, dass ihre eigenen Stücke besonders die Grimm-Märchen darstellen?
Ja, ich war sechs Jahre lang als Autor und Regisseur – und zweimal auch als Darsteller – für die Brüder Grimm Märchenfestspiele in Hanau tätig.
Wie gehen Sie es an, wenn Sie ein Stück schreiben oder übersetzen?
Am Anfang steht die Recherche. Ich muss mich sehr gut mit dem Thema und der Atmosphäre des Stücks beschäftigen, alles ganz genau vorbereiten. Das Schreiben selbst habe ich dann eher als relativ einfach bzw. als flüssigen Vorgang empfunden, denn innerlich war ja alles schon gut angelegt und durchdacht. Beim Übersetzen ist das eigentlich ähnlich, wobei ich da sehr oft vorher die Musik höre und warte, bis mir gewisse Zeilen zufliegen, mir einfach in den Sinn kommen. Durch die vorhandene Musik und das Buch ist man da aber längst nicht so frei in seinen Möglichkeiten.
Sie haben die Masterclass bei Michael Kunze besucht. Wie war dies für Sie?
Zweimal hatte ich sogar schon die Möglichkeit, die Arbeitsweise von Michael Kunze in Workshops kennen zu lernen. Es war in beiden Fällen sehr hilfreich und motivierend. Ich schätze besonders seine Präzision beim Aufbau eines Stücks. Da war mir sein eher analytischer Ansatz eine sehr große Hilfe.
Sie waren auch bereits in Konzerten und Galas zu sehen. Wie unterscheidet sich der Auftritt bei einer Gala von dem in einem Musical?
In einem Musical verkörpert man vor allem eine bestimmte Figur und agiert und reagiert so von einer ganz bestimmten Warte aus. Auf einer Gala singt man oft nur ein schönes Lied und muss dabei gut aussehen (grins).
Gab es auch schon Momente in denen Sie absolut unzufrieden mit ihrer Arbeit waren?
Ja, klar! Wenn die Fäden einfach nicht zusammenlaufen wollen, wenn es im Ganzen nicht richtig läuft. Oft hilft da nur ein Zauberwort: Kommunikation.
Wer sind ihre Vorbilder und warum?
Viele große Regisseure, Autoren und Darsteller sind und waren Vorbilder für mich. Ich bin u. a. ein großer Fan von Alfred Hitchcock. Und als Darstellerin bewundere ich Meryl Streep sehr.
Haben sie ein Lieblingsmusical? Welches ist das?
Das absolute Lieblingsmusical habe ich nicht. Ich mag sehr unterschiedliche Stile. Viele alte Broadwayshows wie West Side Story oder My Fair Lady begeistern mich immer wieder aufs Neue. In meine persönliche Hitliste gehören aber auf jeden Fall auch Evita und Hairspray.
Wenn Sie noch einmal vor der Entscheidung stehen würden, und wählen könnten, in welche Richtung Ihr beruflicher Weg gehen soll, würden Sie alles noch einmal genauso machen? Was würden Sie ändern wollen?
Eventuell hätte ich mal längere Zeit ins Ausland gehen und dort leben sollen. Obwohl ich auch dies natürlich noch tun könnte...
Was erwarten Sie von der Zukunft?
In beruflicher Hinsicht erhoffe ich mir schöne und interessante Aufträge und Projekte. Und natürlich wünsche ich mir Gesundheit, Erfüllung und Spaß für alle Bereiche des Lebens.
Gibt es noch etwas, das Sie unseren Lesern sagen oder nahe legen möchten?
Immer am Ball bleiben! Nie damit aufhören, den eigenen Träumen zu folgen.
Copyright Fotos: Winfried Eberhardt, Reinhard Paul und Benjamin Baumann
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