Ticketempfehlungen:
Tanz der Vampire Stuttgart
König der Löwen Hamburg
Wicked Oberhausen
We Will Rock You Stuttgart
Tarzan Hamburg
Musical Noten
Buddy Holly Musical

DieZaubergeige...

Teil 5

Von Angelika

Erik erzählt: (Begegnung mit Raoul - Fortsetzung)

...nein, nun wollte ich keine Gnade mehr walten lassen! Der Vicomte stand dicht hinter mir und starrte mich mit einer Mischung aus Triumph und Angst an. Ich bemerkte, dass mein Mantel nirgendwo hängengeblieben war, sondern stattdessen umklammerte eine junge kräftige Hand einen Zipfel davon! Dieser unverschämte Bengel - er wagte es tatsächlich mich anzufassen! Mich fasste man normalerweise nicht so einfach an, schließlich bin ich ein Phantom!
Das war wirklich zuviel, das war unerträglich, ungeheuerlich! Dieser Dummkopf ahnte wohl nicht in welcher Gefahr er sich befand!
Ich befreite mich mit einer raschen Armbewegung wobei die Kapuze meines Umhanges, welche bis dahin mein Gesicht verhüllte, kurz auseinanderklaffte - was jetzt wirklich nicht mehr tragisch war, zumindest nicht für mich.
Für den jungen Vicomte allerdings schon...
Die Zaubergeige - Phatom der Oper
Seine Augen weiteten sich in namenlosem Entsetzen, dann fiel er in Ohnmacht wie ein junges Mädchen und sank zu meinen Füßen auf die eisigen Alabasterplatten der düsteren Kirche nieder. Scheinbar leblos blieb er liegen. Ich war selbst so überrascht, dass ich eine Weile nur da stehen und ihn betrachtenkonnte.
Seine Wangen waren so glatt und rosig wie die zarte Haut eines Ferkels, dicke blonde Haarstähnen fielen ihm in die Stirn und wie er so dalag, wirkte er wie ein großer Rauschgoldengel, der aus seinen Gefilden auf die Erde herabgefallen war.
Schließlich überwand ich meine Abneigung, beugte mich zu ihm nieder unddrückte eine Fingerspitze gegen seinen Hals. Deutlich spürte ich, wie das Blut durch die Ader pulsierte - er lebte also noch! Ich wußte nicht recht ob ich erleichtert oder enttäuscht sein sollte. Der machte es einem wirklich nicht leicht.
Wie von allein legte sich schließlich meine kalte Hand um diesen warmen pulsierenden Hals und drückte langsam zu...
Ich schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Es würde so einfach sein...niemand würde je mich verdächtigen...nicht einmal Christine...ich wäre ihn los...ein für alle mal...

Eine gewaltige Welle der Erregung durchfuhr mich, spülte über mich hinweg wie eine Sturmflut, unaussprechbare Gedanken und Gelüste erfüllten mich, so wie ich es schon lange nicht mehr verspürt hatte, so heftig, dass ich selbst erschrak!
'Aber er ist ein Junge!' hallte es in meinem Hirn. 'Und wenn schon!' antwortete ich ebenso wortlos.
'ER IST CHRISTINES FREUND!! gewissermaßen EIN TEIL VON IHR...CHRISTINE...'
Ich spürte selbst, wie sich mein Gesicht zu einer wirklichen Grimasse verzog, eine Mischung aus Trauer und Bedauern schlich sich in mein Bewusstsein, irgendwie war der ganze Kirchenraum plötzlich lebendig. Tausende unheimlicher Schatten tanzten um mich herum und fluchten, kreischten, röchelten, stöhnten undkeuchten...und ich, das Phantom, vor dem sich alle fürchteten, fürchtete sich nun selbst. Ich zuckte zurück, ließ den Hals des Jungen los als habe ich mich verbrannt und erwachte nun vollends aus meiner Ekstase.
Ich starrte benommen auf den Engel zu meinen Füßen. Er lag noch immer so reglos da wie zuvor und wirkte unglaublich hilflos und verletzlich. Obwohl ich nichts lieber getan hätte als augenblicklich aus dieser Kirche zu flüchten, fand ich es doch pietätlos ihn einfach hier so auf dem kalten Boden liegen zu lassen - beinah entwickelte ich nun schon zärtliche Gefühle für Christines Verehrer (schließlich liebt er sie auch und wer sollte dasbesser verstehen als ich...).Ich packte ihn kurzentschlossen am seidenen Kragen und schleifte ihn bis zum Altar. Auf den mit einem zerschlissenen Teppichläufer ausgelegten Stufen, ließ ich ihn liegen. Ich beschloss,dass ich nun meine Pflicht erfüllt hatte undGott, der mir wohl solchen Schrecken eingejagt hatte, die Entscheidung überließ, was aus dem Jungen wurde.
Ich verließ den Friedhof, holte meinen Cäsar aus seiner warmen Behausung, was ihm gar nicht gefiel und machte mich auf den Heimweg. Plötzlich wollte ich keine Minute länger an diesem Ort bleiben.

Trotzdem konnte ich nicht umhin, noch einmal beim Gasthof 'Zur untergehenden Sonne'vorbeizuschauen. Die Dorfstraße war still undverlassen, es hatte angefangen zu schneien, so dass die Nacht fast zum Tag wurde, sohell leuchtete die weiße Pracht in der ansonsten undurchdringlichen Finsternis dieser Gegend. Ich hielt auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Wirtshauses an und betrachtete die graue Fassade. Aus einem einzigen kleinen Fenster drang ein schwacher Lichtschein und ließ mich kurz erschauern. Ich stellte mir vor, dass es Christines Fenster war. Und als sei dies Voraussehung gewesen, erschien tatsächlich eine verschwommene Gestalt im Lichtschein. Das Fenster wurde geöffnet, das Licht flackerte und einen Augenblick später lehnte eine weiß umhüllte Person im Rahmen und atmete seufzend die klare, kalte Luft ein.
Langes goldenes Haar wehte heraus und ich spürte, dass ich erstarrte.
Es war tatsächlich Christine! Ich war unfähig mich zu bewegen, zu flüchten, wurde Teil der Landschaft, sicherlich so gut wie gar nicht sichtbar in dieser nächtlichen, schwarz-weißen Welt. Doch dann schnaubte Cäsar leicht. Der blonde Schopf im Fenster bewegte sich und im schwachen Lichtschein erkannte ich Christines Gesichtszüge. Natürlich konnte sie nicht wissen, nicht einmal ahnen, wer ich war; wahrscheinlich hielt sie mich für einen ganz normalen Reisenden. Unheimlich musste ihr nur meine Bewegungslosigkeit und mein Hinaufstarren zu ihr, vorgekommen sein.
Sie starrte zurück, scheinbar furchtlos, geborgen in der Sicherheit ihrer Kammer. Sie war hoch oben, ich war unten. Ich trieb Cäsar an und er setzte sich sofort in Bewegung. Langsam, ganz langsam ritt ich unter Christines' Fenster vorbei, ohne den Blick von ihr abzuwenden.
Ich bemerkte, dass auch sie mir aufmerksam mit den Augen folgte und sie gar nicht zu bemerken schien, dass ihr ständig goldene Locken ins Gesicht wehten. 'Sie wird sich noch den Tod holen, da oben' dachte ich besorgt und war schon nahe daran etwas zu sagen, doch ich hielt mich zurück.
Noch nicht, jetzt noch nicht!
Eine irreparable, magische Spannung schien zwischen mir und dem Mädchen im Fenster zu bestehen. Ich spürte erneut wie unbändiges Verlangen in mir aufstieg; 'sie einfach da raus holen und mitnehmen...' dachte ich. Oh...was für ein Wunschtraum; Christine vor mir auf dem Pferd, wie eine Prinzessin aus einem alten Märchen, die von einem geheimnisvollen König entführt wird. Ein König, der sie über alles liebt, der sie in seinen wärmenden Mantel hüllt, ihr Haar in seinem Gesicht spürt während er mit ihr davon prescht um sie in sein Reich zu bringen, das große, dunkle , tiefe Reich...
Ich bemerkte, dass meine Phantasie schon wieder im Begriff war mit mir durchzugehen und bevor ich es mir doch noch anders überlegte trieb ich Cäsar an, aber nicht ohne ein kleines 'Merkmal' zu hinterlassendas ich zuvor von ihres Vaters Grab entwendete, und verschwand in der Dunkelheit.



(Fortsetzung folgt…)