|
Ticketempfehlungen:
Tanz der Vampire Stuttgart
König der Löwen Hamburg
Wicked Oberhausen
We Will Rock You Stuttgart
Tarzan Hamburg
Musical Noten
Buddy Holly Musical
|
Die Zaubergeige...
Teil 1
Von Angelika
...ist eine Geschichte aus Gaston Leroux\'s Buch ’Das Phantom der Oper‘, in der es sichum Christines Besuch am Grab ihres Vaters in Perros-Guirec, in der Bretagne handelt und ihr \'der Engel der Musik\' verspricht dort bei Mitternacht auf der Geige ihres Vaters zu spielen. Der Engel der Musik ist natürlich niemand anderes als das Phantom (Erik)das sichdadurch erhofft Christine noch enger an sich zu binden...
Im Musical wird die Szene eher mit einem großen Grabmal oder einer Art Gruft dargestellt, vor der Christine das bewegende Lied ’Könntest Du doch wieder bei mir sein‘ singt. Das Phantom steigt schließlich durch ein großes Kreuz auf das Grabmal und beginnt damit Christine durch engelhaften eindringlichen Gesang an sich zu ziehen. Im letzten Moment kommt Raoul dazu, überredet Christine dazu lieber mit ihm zu kommen. Sie lassen ein zorniges Phantom zurück.
In der Originalgeschichte von Leroux,erklingt geheimnisvolle Musik auf einem mitternächtlichen Friedhof. Christine gibt sich damit zufrieden, aber Raoul der ihr heimlich folgte, sucht nach ’dem Übeltäter‘ und wird tatsächlich fündig. Er hört ein Knacken, sieht einen Schatten und folgt ihm in die Friedhofskapelle. Er erwischt sogar einen Zipfel des Mantels den der Schatten trägt, hält ihn fest und als der Schatten sich umdreht, sieht er eine Art Totengesicht im Dunkel der Kapuze. Dann verwischt seine Erinnerung und er erwacht halb erfroren am nächsten Morgen auf den Altarstufen...
Das war\'s dann, alles Weitere bleibt geheimnisumwittert und auch später wird nicht mehr erwähnt, was genau dort in jener Nacht auf dem Friedhof geschehen ist und als Leser macht man sich Gedanken, wie das alles vielleicht aus der Sicht des Phantoms selbst ablief. Wie hat Erik, der doch im Dunkel der Oper hauste, es zustande gebracht so weit zu reisen, woher kamen die Geigenklänge und vor allem: was geschah mit Raoul...?
Hier beginnt meine fiktive Geschichte; alles ganz nah heranzuzoomen und es einmal aus Eriks Sicht betrachten: Erik erzählt, was geschah...
Und weil die Geschichte auch aus Christines Sicht interessant ist, wird sie aucherzählen...
Zuvor noch eine Anmerkung der Autorin:
„Die nachfolgende Geschichte entstammt allein meiner eigenen Fantasie und wurde schon vor Jahren niedergeschrieben (habe ich jetzt wieder hervorgekramt, was ich selbst nicht gedacht hätte und neu bearbeitet...). Sollte irgendwo etwas ähnliches existieren, so ist das rein zufällig! Sollten bestimmte Detailsnicht ganz genau mit der Originalgeschichte übereinstimmen, so entspringt das ebenfalls meiner Fantasie, hängt wahrscheinlich von einer hier nicht veröffentlichen fiktiven Vorgeschichte ab und ist Absicht.
Also liebe Phantomphans, bitte nicht alles so eng sehen...Danke und hoffentlich viel Spaß beim Lesen!“
Erik erzählt:(Reise nach Perros)
Obwohl es „Wahnsinn“ war, was ichChristine versprach, so war ich doch fest entschlossen es in die Tat umzusetzen.
Christines Wünsche sind mir heilig und nichts ist mir unmöglich! Dieser an sich bescheidene Wunsch, mich, statt in ihrer Garderobe, einmal am Grab ihres Vaters zu hören, rührte mich zutiefst. Allerdings gab es einen Nachteil; Christine wollte, dass auch der Vicomte dabei ist! Und ich binselbst schuld! Warum auch muss ich ihr immer wiedervorhalten, dass er ihr mehr bedeutet als mir lieb ist... Vielleicht bedeutet er ihr wirklich nicht mehr als ein Bruder, ein Spielkamerad aus längst vergangenen Zeiten...
Ihre Ehrlichkeit wollte sie mir nun, sozusagen im Angesicht ihres toten Vaters, wohl beweisen...aber nicht nur das; sie forderte auch mich selbst heraus! Allerdings ärgere ich mich darüber keineswegs, ganz im Gegenteil, ich begrüße ihren Mut und ihren wachsenden Stolz. All das kann uns doch nur näher zueinander bringen!
Meine schamlose Lüge was die Geige ihres Vaters betrifft (die ich mir als „Engel der Musik“ natürlich so ohne Weiteres ausleihen, bzw. dem väterlichen Grab entwenden kann) beschäftigte mich nicht weiter, ich wollte nur eins; da sein, wo Christine war... und um alles bestens arrangieren zu können, reiste ich so bald wie möglich ab, nämlich noch am gleichen Tag!

Ich „entlieh“ mir aus den Stallungen der Oper, eines der besten Pferde; \'Cäsar, den Schimmel des Propheten\' und steuerte direkt den Gare de Montparnasse an.
Obwohl ich mich schon jetzt in die tiefen, dunklen Gefilde meiner geliebten Oper zurücksehnte, so war esdoch ein herrliches Gefühl wieder auf dem Rücken eines so edlen Pferdes zu sitzen und die Hufe über das Pflaster poltern zu hören. Ich fühlte mich so frei, wie schon lange nicht mehr und genoss die bewundernden, sowie erstaunten Blicke, die mir die Leute auf der Straße zuwarfen...mir? Ja, mir, denn es dämmerte bereits, und da es sehr kalt war, und alle nur dick vermummt herumliefen, kann man sich vorstellen, dass auch ich mein Gesicht unter einer großen Kapuze unauffällig verbergen konnte. Unter meinem Mantel, der sich über den Rücken des Tieres ausbreitete, versteckte ich die kleine Violine, ein Relikt aus Kindertagen, das meine arme Mutter aufbewahrt und ich nach ihrem Tod wieder an mich genommen hatte...
Zu jener Abendstunde fuhr nur noch ein Viehtransport in die Bretagne...für mich allerdings genau das Richtige! Was sollte ich in einem komfortablen Wagen, in dem nur lästige Menschen reisten?
Ich erklärte dem Bahnhofsvorsteher dumpf durch meinen Schal, dass ich mein angeblich übernervöses, sensibles, wertvolles Pferd keinesfalls aus den Augen lassen könne und es vorzog, im \'Pferdewagen\' mitzureisen. Ich überzeugte ihn schnell, indem ich ihm ein Bündel Francnoten in die Hand drückte, das so dick war, dass ich einen ganzen Waggon für mich allein hätte mieten können und durfte sofort einsteigen.
Es war herrlich! Die dampfenden Leiber der Pferde in diesem Waggon strömten eine wohlige, süße Wärme aus. Wieder erwachten alte, längst verblasste Erinnerungen in mir; diese uneingeschränkte, wohltuende Zuneigung jener Geschöpfe, die sich der Mensch zum Untertan gemacht hat, erfuhr ich schon in frühester Kindheit durch die Tiere im Zigeunerlager, in dem ich mich einige Jahre mehr oder weniger gezwungenermaßen aufhielt... Sie gaben mir das, was noch nie ein Mensch mir geben konnte...
Nun schmiegte ich mich an Cäsars warmen Hals, lauschte seinem zufriedenem Schnauben und döste, wie er, im Stehen vor mich hin. Das gleichmäßige, laute Geratter der Räder unter uns versetzte mich fast in einen tranceähnlichen Zustand, aus dem ich aber sofort erwachte, als der Zug hielt.
Meine geschärften Sinne erlauben es nicht, dass man mich überrascht!
Beruhigend schnell fand ich einen abgelegenen Bauernhof,ziemlich heruntergekommen zwar, aber für meine Zwecke genau das Richtige. Ich klopfte nach kurzem Zögern selbstbewusst und ziemlich kräftig an die wurmstichige Eingangstür des armseligen Hofes. Auch wenn es mir widerstrebte, so musste ich doch für mindestens zwei Nächte eine Unterkunft haben und sei es nur Cäsars wegen. Aber davon abgesehen hatte ich auch nichts gegen ein wenig Behaglichkeit einzuwenden, denn die Nächte in dieser Gegendwürden um diese Jahreszeit selbst mit mir kurzen Prozessmachen.
Nach einer kleinen Ewigkeit öffnete sich zuvor benannte Tür knarrend und quietschend und eine kleine hagere Personmit einem Haufen schmutziger kleiner KinderamSchürzenzipfel,wich mit einem leisen Schreckensschrei ins Dunkel ihrer Behausung zurück.Ich befürchtete schon die Türe vor der \'Nase\' zugeschlagen zu bekommen, doch nachdem jene Person, eindeutig weiblich, sich von ihrem Schrecken erholt hatte, betrachtete sie mich zwar noch immer ängstlich und skeptisch, aber durchaus auch neugierig. Ich brachte mein Anliegen vor, behauptete auf der Durchreise zu sein, wolle zuvor aber einem guten alten Freund, derauf dem hiesigen Friedhof begraben liege, einen Besuch abstattenund bat sie einen Preis zu nennen.
Im Hintergrund war bereits ihr Ehemann erschienen und erklärte dass hier kein Platz für Fremde sei, doch seine energische kleine Frau hob die Hand, was wohl für ihn ein Zeichen war zu schweigen. Ihre Kinder derweil drückten sich noch enger in die Schürze und starrten aus weit aufgerissenen, ängstlichen Augen zu mir hoch.
Sie nannte ihren Preis, ich verdreifachte ihn frech und wenig später hatten Cäsar und ich eine Unterkunft.
\"Warum tragen Sie eine Maske?“ wagte mich der Hausherr zu fragen, noch bevor ich einen Fuß in sein Refugium setzen durfte. Ich erklärte etwas von empfindlicher Gesichtshaut bei dieser Witterung und man gab sich, wenn auch ein wenig widerwillig, damit zufrieden.
Cäsar bekam einen warmen Stall und ich eine armselige Kammer, doch ich war glücklich, mir reichte das vollkommen. Ich bemerkte, dass meineGastgeber es vermieden mich direkt anzusehen, dass sie sich eine Spur zu unterwürfig und ängstlich benahmen und begriff, dass es wieder einmal ein Bündel Geldnoten war,das mir hier wirklich Einlass gewährt hatte. Doch ich hatte andere Gedanken im Kopf, als mir denselben über derlei Nichtigkeiten zu zerbrechen, schließlich kannte ich das ja schon und wer würde in der Situation dieser Leute keine Ehrfurcht empfinden, wenn eines Tages wie aus dem Nichts plötzlich eine große, ganz in schwarz gekleidete, maskierte Gestalt vor seiner Haustür stände und mit einem Bündel Francnoten wedelte...
Ich überwachte Cäsars Unterbringung und erst als ich ihn sicher versorgt wusste, ließ ich mich zu meiner Kammer führen. Die Kinder liefen kreischend davon, als ich das armselige, düstere Haus betrat. Aber das war mir gleichgültig, was würden sie wohl erst tun, wenn ich die Maske abnahm, dachte ich grimmig...und ich war fast froh darüber, dass Mutter Natur oder Vater Gott, oder wer auch immer, vergessen hatte mir eine Nase zu verpassen, denn hier roch es sicherlich genauso wie es aussah...
„Bitte schön...“ murmeltemeineGastgeberin wies auf meine Unterkunftund verließ mich allzu hastig. Hinter ihr verriegelte ich die Tür, lehnte mich an dieselbe, riss mir die Maske herunter und atmete tief durch. Wenig später klopfte es zaghaft von außen und als ich öffnete, sah ich vor mir auf dem Boden nur ein einsames Tablett mit einer warmen Mahlzeit. Ich war sehr dankbar dafür, denn eigentlich bin ich ja auch nur ein Mensch...
(Fortsetzung folgt…)
|