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R.E.N.T

Das Musical auf DVD

von Katharina Anton

  • Endlich finden sie zueinander, doch seine Vergangenheit und ihre Drogensucht stehen zwischen ihnen. Wenn sie nicht bald von den Drogen loskommt, wird sie es nicht überleben. Kann sie es schaffen?
  • Er kann sie nicht vergessen, doch sie vergnügt sich mittlerweile mit einer Anwältin und treibt ihre Schauspielerkarriere voran. Denkt sie überhaupt noch an ihn?
  • Nach einem brutalen Überfall wird er liebevoll von einem Transvestiten umsorgt, der so viel Lebensfreude verstreut, dass es jeden ansteckt. Doch der Schein trügt, denn sie hat Aids. Kann die junge Liebe solche Hindernisse überwinden?
  • Er war einer von ihnen - doch jetzt ist er reich und zieht seinen ehemaligen Freunden die letzten Dollar aus der Tasche, die sie noch besitzen. Wird er bekommen, was er haben will?

So sieht ihr Leben aus – das Leben der acht Hauptdarsteller des amerikanischen Erfolgsmusicals "RENT": Der einsame Roger, der sich nach einem Schicksalsschlag in seine Musik flüchtet, bis er Mimi trifft; Mimi, die ihren Drogenkonsum durch Strippen finanziert; Marc, der seiner verflossenen Liebe Maureen nachtrauert; die bisexuelle Maureen, eine begabte, aufsteigende Schauspielerin, die Marc für Joanne verlassen hat; Joanne, die lesbische Anwältin; Collins, der sich in Angel verliebt; Angel, der lebensfrohe Transvestit und Ben, der Vermieter.
Ja, das ist ihr Leben. Sie versuchen mit allen Mitteln sich über Wasser zu halten, Geld für ihr Essen und ihre Miete aufzutreiben. Hinzu kommen Drogensucht und Aids – die Krankheit, die alles dahinzuraffen scheint.
Zu der Zeit, als das Musical entstand (Uraufführung 1996), waren dies besonders heikle Themen, die der junge Jonathan Larson in seinem Musical anspricht. Doch er fürchtet sich nicht, sie anzusprechen. Er selbst stammt aus sehr einfachen Verhältnissen, kellnert am Wochenende und schreibt unter der Woche an seinen Musicals, deren Erflog sehr lange auf sich warten lässt. Er selbst ist Künstler, der kämpft um seine Miete zu bezahlen. Er selbst hat viele Bekannte und Freunde, die der "Schwulenkrankheit" zum Opfer gefallen sind. Er selbst stirbt nur wenige Tage vor der Uraufführung. In diesem Musical spiegelt sich das Leben des Menschen wider, aus dessen Feder es stammt und das macht es so authentisch.

Im Großen und ganzen steht das Musical unter dem Motto "No day but today", wie auch eine Zeile in einem der Songs lautet. "No day but today" – nur heute zählt, nur das hier und jetzt ist wichtig. In der Geschichte geht es nicht darum, für die Zukunft zu planen, sondern darum, jeden Tag so gut wie möglich zu verbringen, weil man nie wissen kann, ob der nächste vielleicht auch schon der letzte sein wird.
Einer der bewegensten Momente der Geschichte ist der Kanon "Will I lose my dignity?" –Werde ich meine Würde verlieren? – der in einem Selbsthilfekurs für Aids-Erkrankte gesungen wird; aber auch der Tod von Angel, der die Freundschaft der anderen auf eine harte Probe stellt, ist sehr berührend.
Aber natürlich ist das Musical nicht nur traurig und erschütternd, sondern es gibt auch immer wieder schöne Momente. Ein Höhepunkt ist eindeutig der Song "La Vie Bohéme": In dieser Szene treten alle Figuren der Geschichte auf und zeigen in einer eindrucksvollen Tisch-Performance in einem Restaurant, dass sie sich trotz all der Hindernisse, die sie tagtäglich zu überwinden haben, nicht für ihre Herkunft schämen – im Gegenteil: Sie verstehen sich als Künstler und sind stolz auf das, was sie tun.

Für all diejenigen, die sich die ganze Zeit fragen, von was für einem Musical ich hier schreibe, weil ihr noch nie etwas davon gehört habt: RENT ist eins der erfolgreichsten Broadwaymusicals – es ist jedoch niemals ins Deutsche übersetzt worden.
Und für diejenigen, denen ich jetzt Lust auf dieses –meiner Meinung nach wunderschöne- Musical gemacht habe, die um es zu sehen allerdings nicht gleich nach New York reisen wollen oder können: Die Verfilmung des Musicals (2005) ist sehr empfehlenswert! Ich habe bis jetzt auch nur den Film gesehen. Allerdings gibt es soweit ich weiß auch hiervon keine deutsche Übersetzung – man müsste sich mit Englisch oder Französisch oder aber mit deutschen Untertiteln begnügen. Allerdings ist der Film – der übrigens größtenteils mit dem original Cast, also der allerersten Besetzung des Musicals gedreht wurde – durch die vielen Lieder und die gute gestische und mimische Darstellung der Schauspieler auch auf Englisch ziemlich gut zu verstehen.

Also dann: Viel Spaß beim Anschauen! =)