Geht der Musicalmarkt in Deutschland bergab?
Blogeintrag von Carlotta
Bevor ich auf diese Frage eingehe, sind vorab noch einige Fragen zu klären. Was macht ein Musical aus? Was für Erwartungen haben wir an ein Musical? Wie hat man sich heut zu Tage ein Musical vorzustellen?Wenn ich in ein Musical gehe, möchte ich begeistert und mitgerissen werden, in dessen Welt versinken und alles um mich herum vergessen. Ich möchte da sitzen und das Gefühl haben: "Ja, ich bin dabei!" Ich möchte Gänsehaut bekommen und mich später an einen unvergesslichen Tag zurück erinnern können. Ich möchte mitfühlen, was auf der Bühne vor sich geht und mir denken: "Hier warst du bestimmt nicht zum letzten Mal drin."
Das zeichnet ein gutes Musical aus.
Die heutigen Erwartungen an ein Musical sind sehr hoch.
Viele Leute kennen ein Musical, das neu nach Deutschland kommt, bereits vom Broadway zum Beispiel und waren fasziniert von diesem. Klar, dass man sich dann fragt: Wie wird die Deutsche Fassung sein? Wie werden die Texte übersetzt? Wird das Bühnenbild auch so toll sein?
Das sind alles Sachen, auf die man sehr gespannt ist und viel Wert drauf legt.
Doch die Frage, die wir uns heute zu stellen haben, ist: Ist der Musicalmarkt dem Untergang geweiht?
Wir bekommen heutzutage nur noch wenig der richtig guten Musicals zu sehen.
Was heute den Musicalmarkt erobert, sind Kassenschlager wie: "Ich war noch niemals in New York", "Mamma Mia" und "We will rock you". Solche Musicals haben mit dem "richtigen" Musical eigentlich nur noch sehr wenig zu tun. Zwar scheinen sie noch erfolgreich und beliebt zu sein, aber sie werden die Zukunft und den Musicalmarkt nicht retten bzw. erhaten können. Was man heute sehen will ist was anderes als "alte Schinken".
Ein Musical muss neu erfunden werden. Es müssen neue Texte geschrieben und neue Melodien komponiert werden, Bühnenbilder auf die Beine gestellt werden und es muss experimentiert und gegebenenfalls etwas umstrukturiert werden.
Denkt man über die drei oben genannten Musicals mal etwas genauer nach, wird einem klar, dass diese eine strenge Vorlage haben. An den Texten darf nicht geschliffen werden, denn es sind Klassiker früherer Zeit.
Man glaubt heute, dass man sich irgendwelche erfolgreichen Bands raus suchen kann und deren Hits in ein Musical packen kann, um daraus einen Erfolg zu machen.
Doch man sollte sich mal bewusst machen, dass man nicht aus allem ein Musical machen kann.
Was ist eigentlich beispielsweise mit den Fans von Queen? Glaubt man, dass sie "We will rock you" stürmen, nur weil die Hits von Queen stammen?
Hat man sich nicht einmal Gedanken darüber gemacht, dass diese dieses Musical nicht mögen könnten und an der Band festhalten und sie einen schlechten Ruf über das Musical verbreiten könnten?
Heute wird alles in einen Topf geworfen. Man ist sich wohl nicht bewusst, dass Fans etwas neues wollen.
Auch "Dirty Dancing" war eher ein Flop als Top. Ursache? Es wurde einfach alles aus dem Film übernommen und nichts neues rein gebracht.
Mit dem Musical "Ich war noch niemals in New York" kommt auch wieder etwas, dass dem Musical nicht gerecht wird und das Niveau senkt. Ältere Damen mögen sich vielleicht freuen, dass die Hits von Udo Jürgens wieder im Umlauf sein werden, aber was ist mit den Musicals, die wie die Titanic im Meer versinken?
Es wird so viel Werbung für Musicals gemacht, die fast niemand sehen will. Gute Musicals, wie "Elisabeth -- Die Legende einer Heiligen" oder "Bonifatius" bleiben daher eher unbekannt, was eigentlich sehr schade ist.
Von daher sehe ich die neue Produktion "Ich war noch niemals in New York" als eine Frechheit an und kann nicht verstehen, wieso dafür so viel geworben wird und andere Musicals im Hintergund stehen müssen.
Ich bin der Meinung, dass Deutschland Interesse am Musical verlieren wird, wenn immer mehr Kassenschlager kommen und gute Musicals ihren Platz räumen müssen, damit die Kassenschlager in mehreren Städten spielen können.
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